Vitamin K2

Vitamin K ist für unsere Gesundheit wichtiger, als wir jemals dachten. Das Vitamin unterstützt nicht nur die Blutgerinnung, eine Funktion von Vitamin K, die schon recht lange bekannt ist. Vitamin K ist auch für die Funktion eines speziellen Gewebeeiweißes (Matrix-Gla-Protein) unabdingbar, das durch die Bindung von Calcium-Ionen zum Erhalt der Geschmeidigkeit und Ablagerungsfreiheit der Arterienwände, Gelenkknorpel und anderer Weichteilgewebe im Körper beiträgt. Darüber hinaus ist Vitamin K unentbehrlich für die Aktivität von Osteokalzin, einem Knocheneiweiß, das eine wichtige Rolle bei der Bildung und Erhaltung gesunder und gut mineralisierter Knochengewebe spielt. Diese neuen Funktionen erfüllt Vitamin K2 (Menachinon) viel besser als Vitamin K1 (Phyllochinon), die hauptsächliche Vitamin-K-Quelle in der westlichen Ernährung. Menachinon (MK) kann aus MK-4, MK-6, MK-7, MK-8 und MK-9 bestehen, die sich durch die Länge ihrer Seitenkette voneinander unterscheiden (siehe Abbildung). In der westlichen Nahrung besteht Vitamin K zu 90% aus dem schlecht resorbierbaren K1 und nur zu 10% aus K2, das hervorragend aufgenommen wird. Es ist wissenschaftlich erwiesen, dass die Vitamin-K-Einnahme vieler Erwachsener und Kinder für einen optimalen Vitamin-K-Status unzureichend ist.

Quellen

  • Vitamin K1: grüne Blattgemüse wie Spinat, Broccoli und Kohl, Pflanzenmargarine, Butter.
  • Vitamin K2: Natto oder Fermentation von Kichererbsenmehl (MK-7); Fleisch und Eier (MK-4); (fermentierte) Milchprodukte wie Käse und Joghurt (MK-8 und MK-9).

Qualitätsaspekte

Menachinon-7 (MK-7) ist eine wirkungsvolle natürliche Form des Vitamins K2, hergestellt durch Fermentation. Wissenschaftlichen Untersuchungen zufolge ist MK-7 die wirksamste Form von Vitamin K, um den Vitamin-K-Status im Körper zu optimieren. MK-7 hat eine viel höhere Bioverfügbarkeit als Vitamin K1 oder auch andere K2-Formen wie MK-4, MK-6 und MK-9. Natürliches Vitamin K2 enthält außer MK-7 oft auch etwas MK-4, MK-6 und MK-9, doch können diese anderen Formen konkurrierend wirken und die Bioverfügbarkeit des Präparats vermindern. Achten Sie darauf, dass bei Kombinationspräparaten, die neben Mineralstoffen wie Calcium und Magnesium auch Vitamin K2 enthalten, die so genannte verkapselte Form von Vitamin K2 eingesetzt wird, da die Kombination mit einer hohen Mineralstoffdosierung dazu führen kann, dass der Vitamin-K2-Gehalt zurückgeht.


Anzeichen eines möglichen Mangels

Unzureichende Gerinnung (längere Blutungsdauer, spontane Blutungen, blaue Flecken, Nasenbluten, Menorrhagie, Hämaturie), beschleunigte Abnahme der Elastizität der Blutgefäße, Osteoporose


Indikationen

  • Inadäquater Vitamin-K-Status
  • Osteoporose (auch Prävention)
  • Erhöhter Vitamin-K-Bedarf während der pubertären Wachstumsschübe
  • Arteriosklerose (Verhärtung und Elastizitätsverlust der Arterien), auch Prävention
  • erhöhte Arteriosklerose-Risikofaktoren (chronische Nierenerkrankungen, Diabetes Typ 1 und 2)
  • Arthritis/Arthrose
  • Metabolisches Syndrom (auch Prävention)
  • Mukoviszidose
  • Krebs und Krebsprävention
  • Prävention von Leberkrebs (Leberzellkarzinom) durch Hepatitis C
  • chronische Lebererkrankungen
  • entzündliche Darmerkrankungen

Kontraindikationen

Einnahme eines Cumarinderivats (spezieller Typ eines Blutgerinnungshemmers wie z. B. Warfarin und Acenocumarol, deren Wirkung auf dem Vitamin-K-Antagonismus beruht); Supplementierung mit Vitamin K2 nur in Absprache mit einem Arzt (ggf. für orthomolekulare Medizin).


Anwendungshinweise

Allgemeine Erhaltungsdosis: 90-180 µg pro Tag


Wechselwirkungen

  • Vitamin K2 vermindert die Wirkung von Antikoagulanzien wie z. B. Warfarin (Cumarinderivate sind Vitamin-K-Antagonisten). Seien Sie vorsichtig mit der Vitamin-K-Supplementierung. Das gilt auch für niedrige Dosierungen (unter 45 µg).
  • Corticosteroide, Breitbandantibiotika (vor allem Sulfonamide), Antikonvulsiva (Phenobarbital, Phenytoin, Carbamazepin), gallensäurebindende Harze (Cholestyramin, Colestipol), Orlistat, Cephalosporine, Abführmittel, Chinin, Chinidin, Dactinomycin, Sucralfat, Leuprolid und Salicylate können den Vitamin-K-Status senken. Die zusätzliche Einnahme von Vitamin K2 kann angebracht sein.
  • Die Einnahme von Vitamin E in einer Dosierung von über 800 IE pro Tag erhöht den Vitamin-K-Bedarf.

Sicherheit

Personen, die Medikamente zur Blutgerinnungshemmung einnehmen, tun gut daran, Vitamin K2 ausschließlich in Absprache und unter Kontrolle eines Arztes anzuwenden. Vitamin K2 ist geringfügig toxisch. Speziell in japanischen Studien wurden Dosierungen bis 45 mg (45000 µg) Vitamin K2 (als MK-4) pro Tag ohne nachteilige Begleiterscheinungen angewendet. Auch sehr hohe Dosierungen von Vitamin K2 führen nicht zu einer vermehrten Bildung oder Aktivität von Gerinnungsproteinen und somit auch nicht zur Hyperkoagulabilität. Die Gerinnungsproteine in der Leber werden von Vitamin K2 aktiviert, und sobald sie maximal aktiviert sind, arbeitet das Blutgerinnungssystem optimal. Eine Überaktivierung durch Vitamin K2 ist nicht möglich.


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