Guarbohnenfasern
Teilfermentierte Guarbohnenfasern (Guarfasern) sind nicht-viskose, vollständig wasserlösliche und vollständig fermentierbare Ballaststoffe, die als Präbiotikum (Nahrung für nützliche Darmbakterien) wirken und zu Darmgesundheit, normalem Stuhlgang und einem ausgeglichenen Immunsystem beitragen. Guarfasern wirken der intestinalen Dysbiose und der erhöhten Durchlässigkeit der Darmschleimhaut (Leaky Gut) entgegen.
Wichtige Vorteile von Guarfasern gegenüber den meisten anderen löslichen Ballaststoffen:
- stärkere präbiotische Wirkung (vollständige Fermentation mit größerem Einfluss auf das Darmmikrobiom und größere Produktion von kurzkettigen Fettsäuren);
- bereits in niedrigen Dosen wirksam (ab 2-6 Gramm pro Tag);
- ausgezeichnete Verträglichkeit (aufgrund der langsamen Fermentation);
- keine Beeinträchtigung von Geruch, Farbe, Geschmack und Konsistenz der (heißen/kalten) Lebensmittel und Getränke, denen sie zugesetzt werden, auch nicht bei hohen Dosen;
- ideal geeignet für die Behandlung des Reizdarmsyndroms (RDS).
Quellen
Indische Guarbohne (Cyamopsis tetragonoloba). Aus Guarbohnen wird Guaran gewonnen, ein Galaktomannan-Polysaccharid, das aus Mannose und Galaktose aufgebaut ist. Durch den kontrollierten enzymatischen Abbau (Hydrolyse, Fermentation) von Guaran durch beta-Endogalactomannase aus dem Pilz Aspergillus niger entsteht teilweise aufgeschlossenes (hydrolysiertes/fermentiertes) Guaran, auch teilfermentierte Guarbohnenfaser oder Guarfaser genannt. In der wissenschaftlichen Literatur wird der Begriff PHGG (Partially Hydrolyzed Guar Gum) verwendet. Guarfasern bestehen aus kurzkettigem (3-8 Zuckereinheiten) und mittelkettigem (9-30 Zuckereinheiten) Galaktomannan in einem Verhältnis von 1:7.
Indikation
- intestinale Dysbiose, Leaky-Gut-Syndrom, niedriggradige Entzündung;
- Obstipation;
- Diarrhöe;
- RDS (Reizdarmsyndrom);
- SIBO (Small Intestinal Bacterial Overgrowth);
- Kurzdarmsyndrom;
- entzündliche Darmerkrankungen, (ileoanale) Pouchitis;
- chronische Nierenerkrankung;
- Fruchtbarkeitsstörungen (mit intestinaler Dysbiose) bei Frauen;
- chronische Analfissur;
- Überernährung, metabolisches Syndrom, Typ-2-Diabetes;
- Erhaltung der Darmgesundheit und Vorbeugung oder Hemmung von (altersbedingten) chronischen Krankheiten.
Kontraindikation
- Koprostase, sehr schwere Verstopfung, bei der eine Masse von trockenem, hartem Stuhl im Dickdarm oder Enddarm feststeckt.
Anwendungsempfehlungen
- Allgemeine Dosisempfehlung: 5-10 Gramm Guarfasern pro Tag (Kinder die halbe Dosis) bis zu maximal 20 Gramm pro Tag;
- Obstipation: 5-18 g/Tag;
- Diarrhöe: 10-20 g/Tag;
- RDS: 5-10 g/Tag;
- Überernährung: 2-6 Gramm Guarfasern pro Mahlzeit;
- Metabolisches Syndrom und Typ-2-Diabetes: 10 g/Tag;
- Fruchtbarkeitsstörungen bei Frauen (in Kombination mit intestinaler Dysbiose): 10 g/Tag;
- Chronische Analfissur: 10 g/Tag.
Wechselwirkungen
- Guarfasern können den Blutzuckerspiegel senken. Personen, die blutzuckersenkende Medikamente einnehmen, sollten dies berücksichtigen.
- Guarfasern erhöhen die Calcium- und Magnesiumaufnahme (Tierstudie).
- Guarfasern verbessern die intestinale Eisenabsorption bei Eisenmangelanämie während des Wachstums (Tierstudien).
- Bei bakterieller Überwucherung im Dünndarm (SIBO, Small Intestinal Bacterial Overgrowth) ist die Kombination aus dem Antibiotikum Rifaximin (1200 mg/Tag über 10 Tage) und Guarfasern (5 Gramm/Tag über 10 Tage) deutlich wirksamer als Rifaximin allein (Humanstudie).
- Guarfasern (zweimal täglich 10 Gramm für 2 Wochen vor der Strahlentherapie und 2 Wochen während der Strahlentherapie) wirken Strahlentherapie-induzierter Diarrhöe und Darmdysbiose bei der Beckenbestrahlung gegen Krebs entgegen (Humanstudie).
- Eine Guarfaser-Supplementierung erhöht die Wirksamkeit von ORL (Oral Rehydration Solution / orale Rehydratationslösung) bei akuter Diarrhöe (Humanstudie).
- Guarfasern schützen vor alkoholinduzierten (akuten) Leberschäden (präklinische Studien).
Sicherheit
Guarfasern können kalten und heißen Getränken oder Speisen zugesetzt werden. Aufgrund der sehr geringen Viskosität können Guarbohnenfasern auch über Flüssignahrung wie z. B. Sondennahrung zugeführt werden. Guarbohnenfasern sind seit 30 Jahren auf dem Markt und ihre Anwendung ist sehr sicher, jedenfalls in einer Dosis bis zu 20 Gramm pro Tag. Guarbohnenfasern können über einen langen Zeitraum eingenommen werden und beeinträchtigen nicht die Aufnahme von Nährstoffen wie Aminosäuren, Fetten und Mineralien. Guarbohnenfasern sind sehr gut verträglich, selbst in einer Dosis von 36 Gramm pro Tag. Da Guarfasern langsam fermentieren, verursachen sie im Allgemeinen keine exzessive Gasbildung, übermäßigen Blähungen oder Völlegefühl. Sollten diese Symptome zu Beginn der Guarfaser-Supplementierung auftreten, empfiehlt es sich, die Dosis schrittweise zu erhöhen.
Literatur
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