Ermöglicht durch

Akazienfasern

Akazienfasern, auch Arabisches Gummi oder Gummi arabicum genannt, sind lösliche Ballaststoffe, die nicht von menschlichen Verdauungsenzymen abgebaut, sondern vollständig vom Darmmikrobiom fermentiert werden. Die Fasern bestehen aus komplexen, verzweigten Arabinogalactan-Polysacchariden mit starken präbiotischen Eigenschaften. Ballaststoffe mit einer mittleren Spezifität wie beispielsweise Akazienfasern fördern selektiv nützliche Bakterienarten, die häufig im Darm gesunder Menschen vorkommen, und haben somit gezieltere, vorhersehbarere und konsistentere Wirkungen. Dies steht im Gegensatz zu Ballaststoffen mit geringer Spezifität wie Inulin und FOS, die von vielen verschiedenen Bakterienarten leicht fermentiert werden und daher für einen starken Wettbewerb zwischen den einzelnen Bakterienarten sorgen. Hochspezifische Ballaststoffe wie beispielsweise Xanthan werden nur von relativ wenigen Bakterienarten fermentiert, die womöglich nur bei sehr wenigen Menschen vorkommen, und haben daher nur begrenzte gesundheitliche Auswirkungen. Akazienfasern fördern selektiv das Wachstum nützlicher Bakterienarten wie Bifidobakterien, Milchsäurebakterien wie Lacticaseibacilli und Prevotella. Die tägliche Einnahme von Akazienfasern kann dazu beitragen, das Hungergefühl zu reduzieren, und hat positive Auswirkungen auf die Blutfettwerte, den Blutdruck und den Nüchternblutzucker. Akazienfasern fördern einen normalen Stuhlgang, eine gesunde Verdauung und ein ausgeglichenes Immunsystem. Das Besondere an Akazienfasern im Vergleich zu vielen anderen präbiotischen Fasern ist, dass sie vor allem im distalen Teil des Dickdarms (Colon transversum und Colon descendens) fermentiert werden. Dies ist eine Stelle, an der häufig Probleme wie Colitis ulcerosa oder Polypen auftreten.

Quellen

Akazienfasern (oder Gummi arabicum) werden aus dem Gummi des Akazienbaums (Acacia seyal, Acacia senegal) gewonnen, der in der Sahelzone Afrikas wächst. Das Gummi mit harzartigen Eigenschaften tritt aus, wenn die Rinde des Baumes eingeritzt wird.

Indikation

  • Intestinale Dysbiose, hyperpermeabler Darm (Leaky Gut)
  • Obstipation
  • Diarrhöe
  • RDS (Reizdarmsyndrom)
  • Erhalt der Darmgesundheit
  • Entzündliche Darmerkrankungen
  • Überernährung, metabolisches Syndrom, Typ-2-Diabetes, Dyslipidämie, Bluthochdruck
  • niedriggradige Entzündungen
  • Rheumatoide Arthritis

Kontraindikation

Koprostase, eine sehr schwere Verstopfung, bei der eine Masse von trockenem, hartem Stuhl im Dickdarm oder Enddarm festsitzt.

Anwendungsempfehlungen

Allgemeine Dosisempfehlung: 10 Gramm pro Tag
Durch die Kombination von Akazien- und Baobabfasern ist jedoch bereits eine wesentlich geringere Dosierung wirksam. Die tägliche Einnahme von 5 Gramm einer Mischung aus Baobab- und Akazienfasern hat nachweislich präbiotische Wirkungen.

Wechselwirkungen

  • Akazienfaser kann die Aufnahme von Amoxicillin verringern. Nehmen Sie die Akazienfasern mindestens 2 Stunden vor oder nach der Medikation ein.
  • Akazienfaser hat eine positive Wirkung auf die Speicheldrüsen bei Mundtrockenheit, die durch Methotrexat verursacht wird.
  • Akazienfaser hat möglicherweise eine antimikrobielle Wirkung gegen Staphylococcus aureus und Escherichia coli (In-vitro-Studie).
  • Akazienfaser kann theoretisch bei Personen mit einer Allergie gegen Seifenrinde (Quillaja saponaria) eine allergische Reaktion hervorrufen.
  • Akazienfaser kann vor einer durch Cyclophosphamid verursachten Blasentoxizität schützen (Tierstudie).

Sicherheit

Akazienfaser ist gut verträglich und sehr sicher. Dosierungen von bis zu 30 Gramm pro Tag verursachen keine Beschwerden wie Blähungen, Krämpfe oder Durchfall. Eine kleine Studie mit Frauen, die an einer verzögerten Magenentleerung litten, zeigte, dass Akazienfaser auch von dieser Gruppe gut vertragen wird und keine Beschwerden wie Übelkeit, Aufstoßen oder Völlegefühl verursacht. In einigen Fällen können leichte Magen-Darm-Beschwerden auftreten. Diese Beschwerden klingen in der Regel innerhalb von zwei Wochen von selbst ab. 

Literatur

 

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