11-09-2026
Shatavari (Asparagus racemosus) hat eine lange Geschichte in der ayurvedischen Medizin und wird traditionell zur Förderung der weiblichen Gesundheit eingesetzt. Einer der Bereiche, in denen Shatavari inzwischen klinisch untersucht wurde, ist das polyendokrine metabolische Ovarialsyndrom (PMOS), das früher unter der Bezeichnung polyzystisches Ovarialsyndrom (PCOS) bekannt war. Dieses breit gefächerte endokrine und metabolische Beschwerdebild tritt Schätzungen zufolge bei 6–10 % der Frauen im gebärfähigen Alter auf. In einer kürzlich durchgeführten klinischen Studie wurde die Wirkung einer 12-wöchigen Einnahme des standardisierten Shatavari-Wurzelextrakts SRI-81 bei Frauen mit PMOS untersucht.
Untersuchung von Shatavari bei Frauen mit PMOS
An dieser 12-wöchigen, doppelblinden, randomisierten und placebokontrollierten Pilotstudie nahmen 70 Frauen mit PMOS im Alter zwischen 20 und 40 Jahren teil. Sie erhielten täglich 300 mg Shatavari-Wurzelextrakt oder ein Placebo. Insgesamt schlossen 66 Frauen die Studie ab.
Der untersuchte SRI-81-Extrakt war auf einen Gehalt von mindestens 10 % Gesamt-Shatavarine standardisiert. Die Forscher untersuchten unter anderem das Ovarialvolumen, die Follikelanzahl und die Endometriumdicke. Darüber hinaus wurden der BMI, das Stressempfinden, Hormonwerte sowie verschiedene Stoffwechselparameter erfasst.
Auswirkungen auf Fortpflanzungsparameter und Stressempfinden
Nach 12 Wochen zeigten sich deutliche Unterschiede bei zwei Fortpflanzungsparametern. Die Follikelzahl sank in der Shatavari-Gruppe um durchschnittlich 3,79 – in der Placebo-Gruppe hingegen um 2,39. Gleichzeitig nahm die Endometriumdicke stärker zu: um durchschnittlich 1,33 mm gegenüber 0,20 mm bei der Placebo-Gruppe. Beide Unterschiede waren statistisch signifikant. Hinsichtlich des Ovarialvolumens wurde kein signifikanter Unterschied zwischen den Gruppen festgestellt. Auch beim Stressempfinden zeigte Shatavari einen interessanten Verlauf. Bereits nach vier Wochen ging der PSS-Score (Perceived Stress Scale) signifikant stärker zurück als in der Placebo-Gruppe, und dieser Unterschied vergrößerte sich im Laufe der Studie weiter. Nach 12 Wochen war der PSS-Wert im Durchschnitt um 6,64 Punkte gesunken, in der Placebo-Gruppe dagegen um 1,76 Punkte. Hinsichtlich des BMI, der Hormonwerte und der Stoffwechselparameter wurden zwischen den Gruppen keine signifikanten Unterschiede festgestellt.
Vielversprechende klinische Hinweise
Nach einer 12-wöchigen Supplementierung mit SRI-81 wurde bei Frauen mit PMOS im Vergleich zur Placebo-Gruppe eine Abnahme der Follikelanzahl, eine Zunahme der Endometriumdicke sowie ein geringeres Stressempfinden festgestellt. Diese ersten klinischen Ergebnisse sind interessant, doch ob sich die Veränderungen der Reproduktionsparameter auch in einem regelmäßigeren Zyklus, einer verbesserten Ovulation oder einer höheren Fruchtbarkeit niederschlagen, ist noch nicht geklärt.
Gerade bei einem komplexen und breit gefächerten Beschwerdebild wie PMOS wächst das Interesse an ergänzenden, pflanzlichen Behandlungsansätzen. Die Tatsache, dass Shatavari nun auch in klinischen Studien interessante Ergebnisse liefert, bietet neue Anknüpfungspunkte für die weitere Erforschung des möglichen Stellenwerts, den diese Pflanze bei PMOS einnehmen könnte.
Literaturverweis
Mhatre Y et al. Efficacy and safety of Shatavari root extract in women with polycystic ovarian syndrome: a randomized, double-blind, placebo-controlled trial. Front Endocrinol. 2026;17:1769773.