Ermöglicht durch

Safran, Lutein und Zeaxanthin bei Makuladegeneration: Spielt auch der Darm eine Rolle? 

26-10-2026

Lutein, Zeaxanthin und Safran sind für ihre antioxidativen Eigenschaften und ihre potenziell positiven Auswirkungen auf die Netzhaut bekannt. Möglicherweise reicht ihre Wirkung jedoch über das bloße Sehen hinaus. Immer mehr Untersuchungen deuten auf einen Zusammenhang zwischen der Darmmikrobiota und der Gesundheit der Netzhaut, auch als Darm-Netzhaut-Achse bezeichnet. Über mikrobielle Metabolite und Entzündungsprozesse könnte die Darmmikrobiota Einfluss auf die Netzhaut nehmen. In einer kürzlich durchgeführten randomisierten klinischen Studie wurden die Auswirkungen einer Nahrungsergänzung mit unter anderem Lutein, Zeaxanthin und Safran auf die Sehschärfe und die Darmmikrobiota bei Patienten mit neovaskulärer altersbedingter Makuladegeneration (AMD) untersucht.

Bei dieser sogenannten feuchten Form der AMD entstehen abnormale kleine Blutgefäße unter der Netzhaut, die zu Flüssigkeitsaustritt, Netzhautschäden und zum Verlust des zentralen Sehvermögens führen können. Die Standardtherapie besteht aus Injektionen mit VEGF-Hemmern, die die Wirkung der vaskulären endothelialen Wachstumsfaktoren VEGF (Vascular Endothelial Growth Factor) unterdrücken und so der abnormalen Neovaskularisation entgegenwirken. Diese Behandlung kann bei vielen Patienten das Sehvermögen verbessern und bei der Mehrheit einer weiteren Verschlechterung vorbeugen.

Sechsmonatige Supplementierung zusätzlich zur Anti-VEGF-Therapie
An der Studie nahmen 30 Patienten mit neovaskulärer AMD (Durchschnittsalter 77,8 Jahre) sowie 15 gesunde Kontrollpersonen teil. Die Patienten mit AMD wurden nach dem Zufallsprinzip auf zwei Gruppen aufgeteilt. Beide Gruppen erhielten sechs Monate lang Anti-VEGF-Injektionen. Eine Gruppe erhielt darüber hinaus täglich ein Nahrungsergänzungsmittel mit Lutein (10 mg), Zeaxanthin (2 mg), Safran (20 mg), Vitamin C (80 mg), Vitamin E (12 mg) und Zink (10 mg). Die Forscher untersuchten unter anderem die Sehschärfe, die Netzhautdicke, Entzündungsmarker, die Zusammensetzung der Darmmikrobiota sowie verschiedene Fettsäuren im Stuhl.

Verbesserte Sehschärfe und Veränderungen bei den Darmmetaboliten
Bei Patienten mit AMD erwies sich die Diversität der Darmmikrobiota als signifikant geringer als bei gesunden Kontrollpersonen. Zudem waren bestimmte Bakterien, die an der Produktion kurzkettiger Fettsäuren (engl.: short chain fatty acids, SCFAs) beteiligt sind, in geringerer Zahl vorhanden. Darüber hinaus wurden bei Patienten mit AMD niedrigere Gesamtkonzentrationen an SCFAs im Stuhl sowie relativ hohe Mengen bestimmter Fettsäuren festgestellt, die mit entzündungsfördernden Prozessen in Verbindung gebracht werden.

Nach sechs Monaten hatte sich die Sehschärfe in der supplementierten Gruppe signifikant verbessert (p = 0,012). In der Gruppe, die ausschließlich VEGF-Hemmer erhielt, wurde keine signifikante Verbesserung der Sehschärfe festgestellt (p = 0,882). Die Netzhautdicke nahm in beiden Gruppen signifikant ab. Die Supplementierung führte zu keinen signifikanten Veränderungen hinsichtlich der Diversität oder Zusammensetzung der Darmmikrobiota, jedoch sank die Gesamtmenge an mittelkettigen Fettsäuren (engl.: medium-chain fatty acids, MCFAs), darunter Hexansäure und Isohexansäure, im Stuhl signifikant ab (p = 0,008). Auch die Konzentrationen von Phenylessigsäure und Phenylpropionsäure nahmen ab.

Neue Erkenntnisse über den Zusammenhang zwischen Darm und Netzhaut
Diese Studie zeigt, dass Patienten mit neovaskulärer AMD im Vergleich zu gesunden Personen Unterschiede in der Zusammensetzung ihrer Darmmikrobiota und im Profil der Metabolite im Stuhl aufweisen. Darüber hinaus ging die Einnahme von Lutein, Zeaxanthin, Safran und anderen Mikronährstoffen als Ergänzung zur regulären Behandlung mit einer Verbesserung der Sehschärfe und einem Rückgang bestimmter Metabolite im Stuhl einher.

Die geringe Studienpopulation und das Fehlen von Folgemessungen der Darmmikrobiota und der Metabolite im Stuhl bei der Gruppe, die ausschließlich VEGF-Hemmer erhielt, erfordern eine vorsichtige Interpretation der Ergebnisse. Dennoch liefern die Ergebnisse vielversprechende Ansatzpunkte für weitere Untersuchungen. Sie weisen auf eine mögliche ergänzende Rolle von Mikronährstoffen für die Augengesundheit hin, wobei neben deren antioxidativen Eigenschaften auch die Darm-Netzhaut-Achse eine Rolle spielen könnte.

Literaturverweis
Baldi S et al. Beneficial effects of micronutrient supplementation in restoring the altered microbiota and gut-retina axis in patients with neovascular age-related macular degeneration – a randomized clinical trial. Nutrients. 2024;16:3971.

Zurück