20-02-2026
Die Aussage, dass „Sitzen das neue Rauchen ist“, findet zunehmend physiologische Bestätigung. Bereits innerhalb von zwei Stunden verschlechtert sich die endothelabhängige Gefäßfunktion, selbst bei jungen, gesunden Männern. In einer kürzlich durchgeführten randomisierten Studie zeigte sich, dass eine einmalige Dosis Kakaoflavanole den Rückgang der Gefäßfunktion vollständig verhindern kann, unabhängig vom Fitnessniveau.
Messungen der vaskulären Funktion
An dieser randomisierten, placebokontrollierten Crossover-Studie nahmen 40 gesunde Männer im Alter zwischen 18 und 34 Jahren teil. Zwanzig Teilnehmende wiesen eine hohe kardiorespiratorische Fitness auf (maximale Sauerstoffaufnahme [VO₂peak] ≥49 ml/kg/min), und zwanzig eine niedrige kardiorespiratorische Fitness (VO₂peak ≤41 ml/kg/min). Vor zwei Stunden ununterbrochenem Sitzen konsumierten die Teilnehmenden ein Kakaogetränk mit entweder einer hohen Dosis Flavanolen (insgesamt 695 mg, davon 150 mg Epicatechin) oder einer niedrigen Dosis Flavanolen (<6 mg, fast ausschließlich bestehend aus Catechin).
Der primäre Endpunkt war die flussvermittelte Dilatation (FMD) der Arteria femoralis superficialis (eine große Arterie im Oberschenkel). FMD ist ein Maß für die endothelabhängige Gefäßerweiterung und gibt an, wie gut das Blutgefäß auf einen vorübergehenden Anstieg des Blutflusses reagiert. Darüber hinaus wurden unter anderem die FMD der Arteria brachialis (Oberarm), die anterograde Schergeschwindigkeit (shear rate) und der Blutfluss gemessen. Die anterograde Schergeschwindigkeit bezieht sich auf die Scherkraft des entlang der Gefäßwand strömenden Blutes. Dieser mechanische Reiz regt das Endothel zur Freisetzung von Stickstoffmonoxid an, was zu einer Gefäßerweiterung führt. Der Blutfluss gibt die Menge an Blut an, die pro Zeiteinheit durch das Gefäß fließt. Diese Variablen werden zusammen als hämodynamische Parameter bezeichnet.
Kakaoflavanole verhindern den FMD-Rückgang
Zwei Stunden ununterbrochenes Sitzen führten in beiden Fitnessgruppen nach Einnahme des Getränks mit niedriger Flavanoldosis zu einem deutlichen Rückgang der FMD sowohl in der brachialen als auch in der femoralen Arterie. Die Abnahme betrug etwa 0,6–0,7 % in der Arteria brachialis und 1,0–1,1 % in der Arteria femoralis superficialis. Nach Einnahme des Getränks mit hoher Flavanoldosis trat dieser Rückgang nicht auf: Die endothelabhängige Gefäßfunktion blieb auf dem Ausgangsniveau. Dies galt sowohl für Teilnehmende mit hoher als auch mit niedriger kardiorespiratorischer Fitness.
Darüber hinaus führte das Sitzen in beiden Arterien zu einer Abnahme der anterograden Schergeschwindigkeit und des Blutflusses. Dies deutet auf eine verminderte mechanische Stimulation des Endothels und eine reduzierte Gewebedurchblutung hin. Kakaoflavanole hatten keinen Einfluss auf diese hämodynamischen Parameter. Sie verhinderten zwar die Abnahme der endothelabhängigen Vasodilatation, jedoch nicht die Abnahme des Blutflusses oder der Schergeschwindigkeit.
Implikationen der Studie
Eine einmalige Einnahme von Kakaoflavanolen vor zwei Stunden ununterbrochenem Sitzen verhindert die Verschlechterung der endothelabhängigen Gefäßfunktion in großen Arterien sowohl der oberen als auch der unteren Extremitäten. Dieser schützende Effekt ist unabhängig von der kardiorespiratorischen Fitness. Kakaoflavanole beeinflussten jedoch nicht die Abnahme von Blutfluss und Schergeschwindigkeit während des Sitzens. Die Studie schloss ausschließlich junge Männer ein und untersuchte akute Effekte. Aussagen zu einer langfristigen Anwendung von Kakaoflavanolen oder zu anderen Populationen lassen sich anhand dieser Daten nicht ableiten.
Literaturverweis
Daniele A et al. Dietary flavanols preserve upper- and lower-limb endothelial function during sitting in high- and low-fit young healthy males. J Physiol. 2026;604:145–71.