03-02-2026
Influenza stellt weltweit eine wesentliche Ursache für Morbidität und Mortalität dar – unter anderem aufgrund fortlaufender Virusmutationen und einer zunehmenden Resistenzentwicklung gegenüber antiviralen Arzneimitteln. Vor diesem Hintergrund wächst das Interesse an natürlichen bioaktiven Substanzen mit antiviralen und immunmodulatorischen Eigenschaften.
Quercetin ist ein natürlich vorkommendes Bioflavonoid, das für seine antioxidativen, entzündungshemmenden, neuroprotektiven sowie antiviralen und antibakteriellen Effekte beschrieben wird. In einer wissenschaftlichen Übersichtsarbeit wird Quercetin – auf Basis experimenteller Untersuchungen im Kontext der Influenza – als potenziell antiviraler Phytonährstoff diskutiert.
Quercetin in der wissenschaftlichen Forschung
In einer narrativen Übersichtsarbeit fassen die Autoren die vorhandene präklinische Literatur zusammen. Sie geben einen Überblick über In-vitro-Untersuchungen (Zellmodelle), In-vivo-Studien (überwiegend Tiermodelle) sowie Computermodelle, die zusammen Einblicke in die Wirkweise von Quercetin und seinen (natürlichen) Varianten wie Rutin (Quercetin-3-O-Rutinosid) und phytosomalem Quercetin liefern. Der Fokus liegt auf antiviralen Angriffspunkten, immunologischen Effekten und pharmakologischen Einschränkungen. Es wurde keine systematische Analyse und keine klinische Interventionsstudie durchgeführt.
Antivirale und immunologische Effekte
In den letzten Jahren haben mehrere Studien gezeigt, dass Quercetin eine ausgeprägte Fähigkeit besitzt, Influenzavirusinfektionen über verschiedene Angriffspunkte zu hemmen. Ein zentraler Mechanismus besteht in der Blockade des Viruseintritts in die Wirtszelle. Quercetin bindet an Hämagglutinin (HA), ein Protein auf der Virusoberfläche, das für das Eindringen in die Wirtszelle erforderlich ist. Diese Interaktion wurde insbesondere für die HA2-Untereinheit nachgewiesen, den Teil von HA, der für die Fusion zwischen der Virusmembran und der Membran der Wirtszelle sorgt, und erwies sich in Modellen mit unter anderem dem H5N1-Virus als wirksam.
Darüber hinaus hemmt Quercetin die Aktivität der Neuraminidase, einem viralen Enzym, das für die Freisetzung neuer Viruspartikel aus infizierten Zellen notwendig ist. In Tierstudien ging dies mit einer geringeren Pneumonie, einer niedrigeren Viruslast und einer höheren Überlebensrate einher.
Weiter beschreibt das Review, dass Quercetin die virale RNA-Polymerase beeinflussen kann. Dieses Enzym ist essenziell für die Synthese viraler RNA. Als möglicher Angriffspunkt gilt insbesondere die Hemmung der PB2-Untereinheit, die für das Erkennen und Binden von Wirts-mRNA verantwortlich ist, um die virale RNA-Synthese zu initiieren. Durch die Störung dieser Funktion wird die Virusreplikation gehemmt.
Neben direkten antiviralen Effekten wirkt Quercetin auch auf das Immunsystem. Es senkt die Expression proinflammatorischer Zytokine wie IL-1β, IL-6 und TNF-α, während es Interferon-γ stimuliert, einen Signalstoff, der an der antiviralen Abwehr beteiligt ist. Zudem reduziert Quercetin virusinduzierte oxidative Stressreaktionen durch Neutralisierung reaktiver Sauerstoffspezies, was mit geringeren Zellschäden assoziiert ist.
Bioverfügbarkeit
Die Autoren betonen, dass die klinische Anwendbarkeit von Quercetin durch eine geringe Bioverfügbarkeit begrenzt wird. Quercetin ist schlecht wasserlöslich und zeigt nach oraler Einnahme nur eine begrenzte Resorption, wodurch die Blutspiegel niedrig bleiben. Die Entwicklung verbesserter Darreichungsformen, wie die Bindung von Quercetin an Phosphatidylcholin, kann die Aufnahme erhöhen. Dieses phytosomale Quercetin zeigt in experimentellen Untersuchungen eine 10- bis 20-fach bessere Aufnahme und Bioverfügbarkeit als freies Quercetin.
Fazit
Das Review kommt zu dem Schluss, dass Quercetin ein breites Wirkprofil gegen Influenza-A-Viren aufweist, mit Effekten auf den Viruseintritt in die Wirtszelle, die Virusreplikation, die Immunantwort und oxidativen Stress. Bislang fehlen jedoch gut konzipierte klinische Studien am Menschen.
Referenz
Gansukh E et al. Nature nominee quercetin's anti-influenza combat strategy—Demonstrations and remonstrations. Rev Med Virol. 2017;27:e1930.