29-07-2026
Primäre Dysmenorrhoe (Menstruationsschmerzen) ist eine häufig auftretende Erkrankung, die die Funktionsfähigkeit im Alltag erheblich einschränken kann. Neue klinische Studien deuten darauf hin, dass die Gabe von Palmitoylethanolamid (PEA) eine wirksame Behandlungsmöglichkeit sein könnte, um akute Menstruationsschmerzen zu lindern. In einer randomisierten, doppelblinden, placebokontrollierten Crossover-Studie führte PEA bereits eine Stunde nach der Einnahme zu signifikant niedrigeren Schmerzwerten als Placebo, wobei der Unterschied nach 2,5 Stunden auf etwa 25 % anstieg.
Prostaglandine spielen eine zentrale Rolle
Die Weltgesundheitsorganisation schätzt, dass Menstruationsschmerzen bei Frauen im gebärfähigen Alter weltweit die häufigste gynäkologische Erkrankung darstellen. Zwischen 45 und 95 % der Frauen leiden irgendwann einmal unter diesen Beschwerden. Eine übermäßige Produktion von Prostaglandinen in den ersten Tagen der Menstruation führt zu starken Gebärmutterkontraktionen und trägt zur Schmerzentstehung bei. NSAIDs wie Ibuprofen sind die bevorzugte Behandlungsmethode, da sie die Prostaglandinsynthese hemmen. Orale Kontrazeptiva und andere Hormontherapien werden bei primärer Dysmenorrhoe ebenfalls eingesetzt. Obwohl diese Mittel bei den meisten Frauen wirksam sind, sprechen schätzungsweise 10–25 % der Frauen nicht ausreichend auf die Behandlung an oder vertragen sie nicht gut. Außerdem können NSAIDs bei häufiger Anwendung gastrointestinale und andere systemische Nebenwirkungen verursachen, wobei auch hormonelle Therapien mit unerwünschten Wirkungen einhergehen können. Daher bleibt die Suche nach sicheren und wirksamen Alternativen weiterhin wichtig.
PEA-Untersuchung während vier Schmerzepisoden
In einer australischen Studie wurde die Wirkung von PEA, einem körpereigenen Fettsäureamid mit schmerzstillenden und entzündungshemmenden Eigenschaften, von Wissenschaftlern untersucht. In die Studie einbezogen wurden achtzig Frauen mit regelmäßig auftretender leichter bis mittelschwerer Dysmenorrhoe. Während maximal vier Schmerzepisoden nahmen sie bei einem Schmerzwert von mindestens 5 auf der numerischen Schmerzskala (Numerical Pain Rating Scale, NRS; Wertebereich 0–10) eine Kapsel mit 300 mg PEA oder ein Placebo ein. Der Schmerzwert wurde alle 30 Minuten über einen Zeitraum von maximal vier Stunden erfasst. Wenn die Schmerzen nach zwei Stunden noch anhielten, durfte eine zweite Kapsel eingenommen werden. Anschließend wurden die Schmerzen weiterhin alle 30 Minuten für weitere 2 Stunden erfasst.
Schnellere Schmerzlinderung mit PEA
Von den 80 Teilnehmerinnen gaben 73 an, mindestens eine Schmerzepisode erlebt zu haben. Insgesamt wurden 248 Episoden dokumentiert, davon 217 ohne den Einsatz von regulären Schmerzmitteln. Der durchschnittliche Ausgangsschmerz hatte den Wert 6,2 in der PEA-Gruppe und 6,3 in der Placebo-Gruppe. Bereits eine Stunde nach der Einnahme waren die Schmerzwerte in der PEA-Gruppe signifikant niedriger als in der Placebo-Gruppe. Nach zwei Stunden lag der durchschnittliche Schmerzwert bei 2,2 gegenüber 3,0 – ein bescheidener, aber statistisch signifikanter Unterschied. Auch nach 2,5 Stunden, eine halbe Stunde nach der eventuellen zweiten Dosis, blieb der Unterschied signifikant. Nach drei Stunden waren die Unterschiede zwischen den beiden Gruppen jedoch nicht mehr statistisch signifikant. Nach vier Stunden lag der durchschnittliche Schmerzwert in beiden Gruppen bei 1,4. Hinsichtlich der Anzahl vollständig abgeklungener Episoden, der Einnahme zusätzlicher Schmerzmittel oder des Auftretens von Nebenwirkungen wurden keine signifikanten Unterschiede festgestellt.
Folgerungen für die Zukunft
Diese Studie zeigt, dass eine Einzeldosis von 300 mg PEA akute Menstruationsschmerzen in den ersten Stunden schneller lindern kann als ein Placebo. Der signifikante Unterschied verschwand nach etwa drei Stunden, was nach Ansicht der Autoren wahrscheinlich mit dem natürlichen Verlauf von Menstruationsschmerzen zusammenhängt, bei dem die Beschwerden in beiden Gruppen allmählich nachließen. Während sich frühere Studien zu PEA bei menstruationsbedingten Schmerzen vor allem auf eine Langzeitbehandlung konzentrierten, zeigt diese Studie, dass auch eine akute Anwendung Potenzial hat. Das günstige Sicherheitsprofil und die einfache Anwendung machen PEA zu einem interessanten Kandidaten als Alternative oder Ergänzung zur derzeitigen Behandlungsmethode. Weitere Untersuchungen sind erforderlich, um die optimale Dosierung und Verabreichungsstrategie zu ermitteln und um die Wirksamkeit von PEA im Vergleich zur derzeitigen Standardtherapie zu bestimmen.
Literaturverweis
Rao A et al. Palmitoylethanolamide (Levagen+) for acute menstrual pain: a randomized, crossover, double-blind, placebo-controlled trial. Women & Health. 2025;65:237-45.