Psyllium für Stuhlgang und Stoffwechsel

01.11.2016

Definition Ballaststoffe

Ballaststoffe sind Kohlenhydratpolymere, die aus 10 oder mehr Monomeren (Monosacchariden) bestehen, im menschlichen Dünndarm durch körpereigene Enzyme nicht abgebaut werden und zu einer der folgenden Kategorien gehören:(1-3)

  • Ballaststoffe (im engeren Sinne): essbare (unverdauliche, nicht resorbierbare) Kohlenhydratpolymere, die von Natur aus in pflanzlichen Lebensmitteln (Vollkorngetreide, Hülsenfrüchte, Gemüse, Früchte, Nüsse, Samen) vorkommen. Diese Ballaststoffe sind Bestandteile der Zellwand (z. B. Cellulose, Hemicellulose, Pektin, Lignin, beta-Glucane) oder intrazellulärer Strukturen (z. B. Pektin, resistente Stärke, Pflanzengummis, Schleimstoffe).
  • Funktionelle Fasern: essbare (unverdauliche, nicht resorbierbare) Kohlenhydratpolymere, die aus pflanzlichem Material separiert werden (z. B. Psylliumfasern, Cellulose), oder synthetische Kohlenhydratpolymere (z. B. Methylcellulose) mit wissenschaftlich nachgewiesenen physiologischen Wirkungen. Separierte oder synthetische Fasern mit 3 bis 9 Einheiten gehören nur dann zu den Ballaststoffen, wenn sie nachweislich physiologische Wirkungen haben (wie zum Beispiel Inulin, Oligofructose, Fructo-Oligosaccharide).

Bestimmte Stoffe (wie Pektin, Pflanzengummis und Schleimstoffe), die heute zu den Ballaststoffen gezählt werden, haben keine Faserstruktur. Daher ist es vielleicht angemessener, statt von Ballaststoffen von unverdaulichen Rückständen zu sprechen. Aus Gründen der Wiedererkennbarkeit wurde beschlossen, den Begriff „Ballaststoffe“ beizubehalten. Ballaststoffe werden je nach Grad ihrer Wasserlöslichkeit von Bakterien im Dickdarm gar nicht, teilweise oder vollständig abgebaut (fermentiert), wobei kurzkettige Fettsäuren wie Butyrat, Propionat, Acetat und Gase wie Kohlendioxid, Methan und Wasserstoff gebildet werden. Ballaststoffe, die fermentierbar sind, werden Präbiotika genannt. Ballaststoffe werden außerdem auch in vier Gruppen eingeteilt:(4)

  • hochlösliche, gut fermentierbare Ballaststoffe (z. B. resistente Stärke, Pektin, Inulin, Guaran),
  • ziemlich gut lösliche und fermentierbare Fasern (wie Psyllium und beta-Glucane),
  • unlösliche, langsam fermentierbare Fasern (wie Weizenkleie, Lignin, bestimmte Fasern in Obst und Gemüse),
  • unlösliche, nicht fermentierbare Fasern (z. B. Cellulose, Methylcellulose).

 

Gesundheitsfördernde Wirkungen von Ballaststoffen

Ballaststoffe haben eine ganze Reihe gesundheitlicher Auswirkungen. Zum Beispiel beschleunigen unlösliche Ballaststoffe die Darmpassage und verbessern den Stuhlgang (mit einer Zunahme der Stuhlmasse), während lösliche Ballaststoffe die Geschwindigkeit der Magenentleerung verringern und zu einem besseren Glukose- und Fettstoffwechsel und Sättigungsgefühl nach dem Essen beitragen.(2,3) Da die einzelnen Ballaststoffarten jedoch spezifische Eigenschaften haben, ist es besser, die gesundheitlichen Auswirkungen von Ballaststoffen nicht zu verallgemeinern. Einige lösliche Ballaststoffe wie resistente Stärke und Inulin senken den Cholesterinspiegel nicht, und auch unlösliche Ballaststoffe haben nicht immer die gleiche Wirkung auf das Stuhlvolumen. Psylliumfasern und beta-Glucane sind großenteils löslich und verbessern den Glukose- und Fettstoffwechsel, erhöhen aber auch die Stuhlmenge.(3) Es ist wichtig, sich abwechslungsreich zu ernähren und verschiedene Arten von Ballaststoffen zu sich zu nehmen. Für eine beabsichtigte gesundheitliche Wirkung (oder zur Ergänzung der täglichen Ballaststoffaufnahme) bietet sich ein funktioneller Ballaststoff wie Psyllium an. Die tägliche Ballaststoff-Gesamtaufnahme ergibt sich aus der Summe von Ballaststoffen und funktionellen Fasern.

 

Ballaststoff-Bedarf

Ballaststoffe sind für die Gesundheit sehr wichtig. Sie verbessern die Darmfunktion und helfen, Zivilisationskrankheiten wie Herz-Kreislauf-Erkrankungen, dem metabolischen Syndrom, Diabetes mellitus, Fettleibigkeit und Krebs vorzubeugen. Die empfohlene Ballaststoffmenge für Erwachsene beträgt 30-40 Gramm pro Tag. Für Kinder im Alter von 1-3 Jahren, 4-8 Jahren und 9-13 Jahren liegen die Empfehlungen bei 15, 20-25 bzw. 25-30 Gramm Ballaststoffe pro Tag.(5) Untersuchungen haben gezeigt, dass die Ballaststoffaufnahme von 90 % der niederländischen Erwachsenen und Kinder unzureichend ist. Im Durchschnitt nehmen Kinder (7-18 Jahre) 8,8 Gramm Ballaststoffe pro 1000 kcal pro Tag auf, Frauen 10,9 Gramm/1000 kcal/Tag und Männer 9,2 Gramm/1000 kcal/Tag.(6) Die optimale Ballaststoffzufuhr kann um einiges höher sein, als die aktuellen Empfehlungen des Gesundheitsrates der Niederlande es vorgeben; unsere frühen Vorfahren haben mit ihrer Nahrung wahrscheinlich mehr als 70 Gramm Ballaststoffe pro Tag aufgenommen.(7) Eine hohe Zufuhr von Ballaststoffen ist unbedenklich; eine sichere Höchstaufnahmemenge (tolerable upper intake level) für Ballaststoffe ist daher nicht festgelegt worden.(2)

 

Psylliumfasern

Psyllium (als Faser) wird aus der Epidermis (Samenschale) der Samen von Plantago ovata gewonnen, einer Heilpflanze aus der Familie der Wegerichgewächse, die hauptsächlich in Indien angebaut wird. Psyllium (auch Blondes Psyllium, Indisches Psyllium oder Ispaghula genannt) wird schon seit Tausenden von Jahren in der ayurvedischen und traditionellen chinesischen Medizin verwendet, innerlich bei Verstopfung, Durchfall, Hämorrhoiden, Blasenproblemen und Bluthochdruck und äußerlich bei Hautreizungen und Insektenstichen.(8) Die Europäer und Nordamerikaner, die Psyllium erst viel später entdeckten, begannen, Psyllium auch zur Senkung des Cholesterin- und Blutzuckerspiegels einzusetzen.

Psyllium besteht (zum größten Teil) aus wasserlöslichen Fasern (Hemicellulose, die eine einzigartige, stark verzweigte Arabinoxylan-Struktur aufweist).(9) Psylliumfasern bilden bei Kontakt mit Wasser ein farb- und geruchloses Gel und können das Zehnfache ihres eigenen Trockengewichts an Wasser aufnehmen. Ein Vorteil von Psyllium gegenüber anderen löslichen Ballaststoffen ist, dass Psyllium weniger von der Darmflora fermentiert wird und daher weniger Anlass zu Beschwerden wie Völlegefühl und Blähungen gibt.(10,11)

Abbildung 1: Plantago ovata, eine Heilpflanze aus der Familie der Wegerichgewächse

 

Gesundheitsfördernde Wirkungen von Psyllium

Verbesserung des Stuhlgangs

Psyllium hat eine leicht abführende Wirkung. Psyllium zieht Wasser an und bildet im Magen-Darm-Trakt ein Gel. Der Stuhl wird dadurch weicher, nimmt an Volumen zu (dadurch wird die Peristaltik angeregt) und verlässt den Körper schneller und leichter.(4,8,12)

Andere zähflüssige, wasserlösliche Ballaststoffe wie beta-Glucane und Pektin (die wie Psyllium den Cholesterinspiegel senken) haben kaum Auswirkungen auf die Darmfunktion, da sie im Dickdarm schneller und vollständiger fermentiert werden. Psylliumfasern hingegen werden zu einem Großteil mit dem Stuhlgang ausgeschieden.(12-14) Jedes Gramm Psylliumfaser erhöht das Stuhlgewicht um etwa 6 Gramm. In In-vitro- und Tierstudien wurde festgestellt, dass Psylliumfasern in niedriger Dosierung abführend wirken, während eine höhere Dosierung gegen Durchfall hilft.(15) Psyllium hat eine abführende Wirkung und stimuliert die Darmperistaltik nicht nur durch die Erhöhung der Stuhlmenge, sondern auch durch die Aktivierung von Serotonin- (5HT4) und Muskarinrezeptoren in der Darmwand. Außerdem wirkt Psyllium gegen Durchfall, indem es Wasser aufnimmt und die Konsistenz des Stuhls verbessert, und es hat eine krampflösende Wirkung, indem es Calciumkanäle blockiert und die NO/cGMP (Stickoxid/cyclisches Guanosinmonophosphat)-abhängige Entspannung des glatten Muskelgewebes in der Darmwand stimuliert. Zur Regulierung der Darmfunktion beim Menschen werden traditionell Dosen zwischen 2,5 und 30 Gramm Psyllium pro Tag verwendet.(15)

 

Präbiotische, entzündungshemmende und antioxidative Wirkung

Psyllium wirkt zum Teil als Nahrungsquelle für die Darmflora im Dickdarm, wobei unter anderem kurzkettige Fettsäuren wie Butyrat und Propionat gebildet werden, die synergistisch entzündungshemmend und antioxidativ wirken, eine wichtige Energiequelle für die Schleimhautzellen des Dickdarms darstellen und einer erhöhten Durchlässigkeit des Darms („Leaky Gut“) entgegenwirken.(16-19) Die Fermentation ist unvollständig, wahrscheinlich weil die Darmbakterien nicht alle Enzyme besitzen, die für einen vollständigen Abbau benötigt werden.(9) Bei gesunden Probanden führte eine Psyllium-Supplementierung (30 Gramm/Tag) zu einer Absenkung der Blutwerte des Entzündungsmarkers CRP (C-reaktives Protein).(20) In einer anderen Studie mit übergewichtigen Probanden reichte eine niedrigere Psyllium-Dosis (7 oder 14 Gramm/Tag) nicht aus, um eine signifikante Wirkung auf den CRP-Spiegel zu erzielen.(21) Niedriggradige Entzündungen spielen unter anderem bei Herz-Kreislauf-Erkrankungen, metabolischem Syndrom, Fettleibigkeit, Diabetes und Krebs eine Rolle.

 

Verbesserung des Lipidstoffwechsels

Psylliumfasern senken den Gesamtcholesterin- und LDL-Cholesterinspiegel, indem sie die Synthese von Gallensäuren aus Cholesterin in der Leber stimulieren (durch Erhöhung der Aktivität der 7-alpha-Hydroxylase, des geschwindigkeitsbestimmenden Enzyms in der Gallensäuresynthese) und indem sie die Ausscheidung von Cholesterin und Gallensäuren mit dem Stuhl (durch Bindung an Psyllium) erhöhen.(4,8,22) Zusätzliche Mechanismen können beteiligt sein, so z. B. die Hemmung der Cholesterinsynthese in der Leber durch die kurzkettige Fettsäure Propionat, die Reduzierung der Fettaufnahme und sekundäre Effekte einer verzögerten Glukoseaufnahme aus der Nahrung.(8,23) Bei übergewichtigen Personen wirkt eine Psyllium-Supplementierung (15 Gramm zu den Mahlzeiten) der postprandialen Dislipidämie (Erhöhung der Triglyceride und anderer Blutfette nach dem Essen, ein unabhängiger Risikofaktor für Atherosklerose) entgegen, vermutlich durch eine Veränderung der Fettverdauung und eine langsamere Fettaufnahme.(24) Tierversuche zeigen, dass Psyllium den Transport von Lipiden aus der Leber in die Muskeln fördert und die Fettsäureoxidation im Muskelgewebe erhöht, was bei der Gewichts- und Fettabnahme hilft.(25) Außerdem verbessert Psyllium die Zusammensetzung der Gallensäuren in der Gallenflüssigkeit, was das Risiko von (Cholesterin-)Gallensteinen verringert.(25,26)

 

Verbesserung des Glucosestoffwechsels

Durch eine langsamere Magenentleerung und eine langsamere Absorption von Kohlenhydraten aus der Nahrung senken Psylliumfasern den postprandialen (nach den Mahlzeiten ansteigenden) Blutzucker- und Insulinspiegel. Dieser Effekt wurde bei gesunden Probanden, Probanden mit Insulinresistenz (metabolisches Syndrom) und Diabetikern nachgewiesen.(26) Die längerfristige Einnahme von Psyllium verbessert die Insulinempfindlichkeit.(69) Eine Metaanalyse klinischer Studien zur Wirkung von Psylliumfasern auf die glykämische Kontrolle zeigt, dass Psyllium (vor den Mahlzeiten eingenommen) den Nüchternblutzuckerspiegel bei einem normalen Blutzuckerspiegel unsignifikant, beim metabolischen Syndrom etwas stärker und bei Typ-2-Diabetes am stärksten senkt (mit einer 1%igen [10,6 mmol/mol] Senkung des HbA1c-Werts).(27)

 

Besseres Sättigungsgefühl nach dem Essen

Die Einnahme von Psyllium vor den Mahlzeiten führt zu einem besseren Sättigungs- und Völlegefühl nach dem Essen und reduziert das Essverlangen zwischen den Mahlzeiten.(28) Dies ist zum Teil auf eine Erhöhung des Speisebreivolumens und eine graduellere Aufnahme von Nährstoffen aus dem Dünndarm zurückzuführen. Die Einnahme von Psyllium vor den Mahlzeiten hat mehrere Auswirkungen:(11,28-32)

 

  • Psyllium senkt den Plasmaspiegel von Ghrelin, einem Hormon, das von der Magenschleimhaut ausgeschüttet wird und den Appetit anregt. Darüber hinaus verlangsamt Psyllium den postprandialen Anstieg des Glukose- und Insulinspiegels im Blut und verhindert so eine reaktive Hypoglykämie (die ein Hungergefühl verursacht).
  • Psyllium stimuliert die Freisetzung des Hormons Cholecystokinin im Dünndarm, das die Magenentleerung verlangsamt und für ein Sättigungsgefühl sorgt.
  • Psyllium verlangsamt die Absorption von Nährstoffen, so dass ein Teil der Nährstoffe das distale Ileum erreichen kann. Dabei kommt es zur sogenannten „Ileum-Bremse“, einem Rückkopplungsmechanismus, bei dem die Freisetzung von GLP-1 und PYY erhöht wird. GLP-1 (Glucagon-like Peptide-1) ist ein Hormon, das den Appetit hemmt, die Magenentleerung und die Dünndarmpassage verlangsamt, den Glucagonausstoß reduziert und die Insulinsensitivität verbessert, und PYY (Peptid YY) ist ein Hormon, das den Appetit hemmt und die Magenentleerung verlangsamt.

 

Senkung des Blutdrucks

Die präklinische Forschung zeigt, dass Psyllium den Anstieg des Blutdrucks, der mit Fettleibigkeit, metabolischem Syndrom und Typ-2-Diabetes zusammenhängt, hemmt – zum Teil vermutlich durch die Senkung des Cholesterinspiegels, die Erhöhung der Insulinsensitivität und die Verbesserung der endothelabhängigen Gefäßerweiterung.(33,34) Tierstudien haben auch gezeigt, dass Psyllium den durch Kochsalz induzierten Blutdruckanstieg aufhält, möglicherweise durch eine erhöhte Natriumausscheidung mit dem Stuhl.(35)

 

Schutz der Darmschleimhaut

Tierversuche legen nahe, dass Psyllium einer Darmentzündung entgegenwirkt. Wissenschaftler beobachteten in einem Tiermodell für Colitis ulcerosa, dass Psyllium den chronischen Entzündungsprozess im Dickdarm signifikant hemmte und für einen Rückgang von Entzündungsmediatoren (Stickstoffmonoxid, Leukotrien-B4, TNF-alpha) sorgte. Die vermehrte Bildung der kurzkettigen Fettsäuren Butyrat und Propionat durch die Fermentierung von Psylliumfasern spielt wahrscheinlich eine wichtige Rolle.(19) Außerdem wurde in Tierversuchen gezeigt, dass Psyllium vor Geschwüren im Zwölffingerdarm schützt, die durch Aspirin ausgelöst werden.(36)

 

Anwendungsgebiete für Psyllium

 

Obstipation

Eine wichtige Anwendung von Psylliumfasern ist, chronischer Verstopfung entgegenzuwirken.(15) Auf Grundlage vieler wissenschaftlicher Studien ist man zu dem Ergebnis gekommen, dass Psyllium einen positiven Einfluss auf die Zusammensetzung des Stuhls (höheres Volumen, weichere und glattere Konsistenz) und die Häufigkeit der Darmentleerung hat, wobei sich die Gesamtdauer der Darmpassage verringert.(12,14,15,37) Psyllium reduziert Bauchschmerzen und die Notwendigkeit, während der Darmentleerung zu pressen. Der NHG-Behandlungsstandard „Konstipation“ (des niederländischen Hausärzteverbandes Nederlands Huisartsen Genootschap) rät in erster Linie dazu, ausreichend zu trinken, ballaststoffreich zu essen und sich ausreichend zu bewegen. Wenn die Zufuhr von Ballaststoffen mit der Nahrung unzureichend ist, kann der niederländische Hausarzt Psyllium verschreiben.(37) Psyllium ist besonders hilfreich bei funktioneller chronischer Verstopfung (ohne organische Ursache).(8) Bei 149 Patienten mit chronischer Verstopfung führte die Einnahme von 15 bis 30 Gramm Psyllium pro Tag bei 85 % der Probanden mit funktioneller Verstopfung zum gewünschten Ergebnis. Bei einer zu trägen Darmpassage profitierten nur 20 % der Probanden von der Psyllium-Supplementierung, bei verschiedenen anderen Defäkationsproblemen wie Rektozele (Schwäche der Wandschichten zwischen Enddarm und Scheide), innerem Rektumprolaps (Vorfall), Anismus (gestörte Funktion u. a. des äußeren analen Schließmuskels) und rektaler Hyposensitivität sprachen 37 % positiv auf die Psyllium-Supplementierung an.(8)

 

Viele Menschen mit Krebs leiden unter Verstopfung; eine Psyllium-Supplementierung ist für die Behandlung von leichter oder vorübergehender Verstopfung (die nicht durch die Einnahme von Opioiden hervorgerufen wurde) geeignet.(38) Nach einem chirurgischen Eingriff aufgrund einer blockierten Defäkation kann Psyllium (3,5 Gramm täglich) helfen, die Darmfunktion weiter zu verbessern und postoperativem Stuhldrang, Stuhlinkontinenz und verbleibender Verstopfung entgegenzuwirken.(77) Psyllium kann auch bei Verstopfung während der Schwangerschaft und bei Verstopfung im Zusammenhang mit einem Ulcus pepticum oder einer Divertikulitis eingesetzt werden.(26)

 

Diarrhöe

Es ist bemerkenswert, dass Psyllium nicht nur bei Verstopfung, sondern auch bei (chronischem) Durchfall wirkt. Aufgrund seiner starken Wasserbindungsfähigkeit, seiner Fähigkeit, die Magenentleerung zu verlangsamen, und seiner muskelentspannenden Wirkung hilft Psyllium, den Darm zu beruhigen, die Stuhlkonsistenz zu verbessern und die Stuhlgangshäufigkeit zu reduzieren.(26) Psyllium (7-15 Gramm pro Tag) hat eine signifikante Wirkung bei Stuhlinkontinenz, wobei die Häufigkeit der Stuhlabgänge um 50% abnehmen kann.(8,39,40) Eine klinische Studie aus dem Jahr 2015 zeigte, dass Psyllium bei Stuhlinkontinenz genauso gut wirkt wie Loperamid (das mehr Nebenwirkungen hat).(41) Unlösliche Ballaststoffe hingegen bewirken das Gegenteil, während lösliche Ballaststoffe, die vollständig fermentiert werden, fast keine Wirkung haben. Eine Psyllium-Supplementierung ist auch bei strahleninduzierter Diarrhöe wirksam und reduziert die Inzidenz und den Schweregrad der Diarrhöe bei Beckenbestrahlung.(42)

 

Reizdarmsyndrom

Mindestens 10 % der niederländischen Bevölkerung leiden an RDS (Reizdarmsyndrom). Wichtige Symptome der chronischen Darmerkrankung sind (unerklärliche) Bauchschmerzen (ständig oder in Abständen wiederkehrend), Krämpfe, Völlegefühl und ein wechselndes Stuhlgangsmuster.(43) Die Beschwerden nehmen nach dem Toilettengang ab und der Stuhl kann mit Schleim versetzt sein. Für Menschen mit RDS ist es wichtig, auf eine ballaststoffreiche Ernährung zu achten, die bei Bedarf durch ein Psylliumpräparat ergänzt wird.(44) In einer niederländischen Studie nahmen 93 Probanden mit RDS 12 Wochen lang Psylliumfasern (10 Gramm/Tag), Weizenkleie (10 Gramm/Tag) oder Placebo ein.(43) Die Einnahme von Psylliumfasern führte zu ‘adequate relief’ (= adäquater Linderung: weniger Bauchschmerzen und Missempfindungen) und einer signifikanten Abnahme der RDS-Symptome im Vergleich zu Placebo, während Weizenkleie nicht besser wirkte als Placebo und die Symptome sogar verschlimmern konnte. Psyllium hilft bei RDS, wo Durchfall überwiegt und (noch besser) bei RDS, wo Verstopfung überwiegt.(4,26,43,44) Eine Dosis-Wirkungs-Studie (Supplementierung mit 10, 20 oder 30 Gramm Psyllium pro Tag) hat gezeigt, dass 20 Gramm Psyllium pro Tag wahrscheinlich die optimale Dosis bei RDS ist.(4,44) Bei Kindern ist eine unzureichende Ballaststoffaufnahme ein Risikofaktor für rezidivierende Bauchschmerzen (definiert als mindestens 3 Bauchschmerzepisoden in den letzten 3 bis 12 Monaten).(45) Rezidivierende Bauchschmerzen können entweder allein oder zusammen mit Dyspepsie oder einem wechselhaften Stuhlgangsmuster (RDS) auftreten. Bei 34 % der Kinder gehen die Bauchschmerzen mit einer chronischen Verstopfung einher. Untersuchungen zeigen, dass auch Kinder (ab 6 Jahren) mit RDS von einer Psyllium-Supplementierung profitieren; Psyllium reduziert die Zahl der Bauchschmerzepisoden erheblich.(78) Es gibt Hinweise darauf, dass eine FODMAP-arme Ernährung (mit wenig niedermolekularen Kohlenhydraten, so genannten Fermentierbaren Oligo-, Di-, Monosacchariden und Polyolen) bei RDS hilfreich ist.(9,44) FODMAP-Kohlenhydrate können im Dünndarm aus mehreren Gründen schlecht abgebaut und absorbiert werden. Sie ziehen Feuchtigkeit an, und sobald sie im Dickdarm ankommen, werden sie schnell fermentiert und verursachen Beschwerden wie Bauchschmerzen und Völlegefühl. Da eine FODMAP-arme Ernährung nicht genügend Ballaststoffe enthält, ist eine zusätzliche Einnahme von Psyllium sehr empfehlenswert.(44)

 

Divertikulose und Hämorrhoiden

Eine Supplementierung mit Psyllium hilft bei (symptomatischen) Hämorrhoiden. Eine Meta-Analyse von 7 randomisierten klinischen Studien, an denen Probanden mit symptomatischen Hämorrhoiden teilnahmen, ergab, dass eine Psyllium-Supplementierung (für mindestens einen Monat) Blutverlust, Schmerzen, Juckreiz, Schwellungen und Analprolaps entgegenwirkt.(8,46) Die Supplementierung mit Psyllium wird auch bei Hämorrhoiden und Verstopfungsneigung empfohlen. Die empfohlene Dosis beträgt 12-20 Gramm Psyllium pro Tag.(46) Divertikulose (Ausstülpungen in der Dickdarmwand) ist in westlichen Ländern weit verbreitet. Faktoren, die bei der Entstehung einer Divertikulose eine Rolle spielen, sind (fortgeschrittenes) Alter, ballaststoffarme Ernährung, eine geschwächte Darmwand und eine verlangsamte Darmmotilität.(47) Von den Menschen über 80 Jahren haben etwa 60 % eine Divertikulose, während die Erkrankung bei Menschen unter 40 Jahren nur zu 10 % auftritt. Eine große prospektive Studie fand heraus, dass eine ballaststoffarme Ernährung mit einem hohen Anteil an Fett und rotem Fleisch mit einem 3-fach höheren Risiko für eine symptomatische Divertikulose mit Symptomen wie periodischen Bauchkrämpfen und Völlegefühl assoziiert war.(48) Eine Psyllium-Supplementierung kann zur Vorbeugung einer symptomatischen Divertikulose und der damit verbundenen Komplikationen (Divertikulitis, Divertikelblutung) beitragen.(48)

 

Chronisch-entzündliche Darmerkrankungen

Psylliumfasern wirken Darmentzündungen entgegen und haben wahrscheinlich eine günstige Wirkung bei Morbus Crohn und Colitis ulcerosa, unter anderem indem sie Verstopfung und Durchfall hemmen und die Produktion kurzkettiger Fettsäuren verbessern.(9,18) Bei Versuchstieren mit Colitis ulcerosa in Remission wirkte die Psyllium-Supplementierung genauso gut wie Mesalazin, um einen Ausbruch zu verhindern.(19) Die Forscher fanden heraus, dass Psyllium den Zustand des Dickdarmepithels verbesserte, wobei sich die Schleimsekretion verbesserte, die Ödeme abnahmen und weniger Entzündungszellen eindringen konnten. In einer Humanstudie wurde auch festgestellt, dass Psyllium (20 Gramm/Tag) hinsichtlich der Kontrolle der Colitis ulcerosa genauso wirksam ist wie Mesalazin.(8,9) In einer anderen Humanstudie führte die Supplementierung mit Psyllium bei Probanden mit Colitis ulcerosa (in Remission) zu einer Abnahme der gastrointestinalen Beschwerden (Bauchschmerzen, Durchfall, Entleerungsdrang, Blähungen, Verstopfung, Schleim im Stuhl, unvollständige Darmentleerung).(9)

 

Psyllium lässt sich hervorragend mit einem hochdosierten Probiotikum kombinieren.(49,50) Bei Patienten mit Colitis ulcerosa führte die Supplementierung mit Psyllium (8 g/Tag), einem Probiotikum (Bifidobacterium longum, 2 Mrd. CFU/Tag) oder beidem – gemessen mit IBDQs (Inflammatory Bowel Disease Questionnaires) – zu signifikanten Verbesserungen.(50) Psyllium wirkte sich hauptsächlich auf körperliche Beschwerden aus, das Probiotikum auf Stimmung und Wohlbefinden. In einer Human-Pilotstudie mit 10 Patienten, die an Morbus Crohn in der aktiven Phase (mit Durchfall und Bauchschmerzen als Hauptbeschwerden) erkrankt waren, führte die Supplementierung mit Psyllium (9,9 Gramm/Tag) und einem hochdosierten Probiotikum (mit Laktobazillen und Bifidobakterien, 75 Mrd. CFU/Tag) bei 6 von 10 Probanden nach 8,5-17,5 Monaten zu einer vollständigen Remission der entzündlichen Darmerkrankung.(49) Dies wurde u. a. mit dem CDAI-Score (Crohn’s Disease Activity Index) und dem IOIBD-Score (International Organization for the Study of Inflammatory Bowel Disease) ermittelt.

 

Zöliakie

Bei Einhaltung einer glutenfreien Diät nehmen Menschen mit Zöliakie im Allgemeinen wenig Ballaststoffe und Eiweiß zu sich.(51) Psylliumfaser enthält kein Gluten und ermöglicht, die Zufuhr von Ballaststoffen aufrechtzuerhalten. Außerdem ist Psyllium ein guter Glutenersatz in Rezepten und kann als Verdickungsmittel unter anderem in Brot (etwa 4 Gramm pro 500 Gramm Mehl), Kuchen, Keksen, Soßen, Suppe, Eis und Marmelade verwendet werden.(51-53) Psyllium kann auch zu einem Smoothie, Haferbrei und Müsli hinzugefügt werden. Natürlich können auch Menschen ohne Zöliakie Psyllium in ihre Ernährung einbauen, um ihre tägliche Ballaststoffzufuhr zu erhöhen.

 

Hypercholesterinämie

Psyllium senkt signifikant den Gesamt- und LDL-Cholesterinspiegel und kann bei leichter bis mittelgradiger Hypercholesterinämie eingesetzt werden.(8,26,54,55) Die folgenden Ergebnisse aus klinischen Studien veranschaulichen das Ausmaß der Cholesterinsenkung, die mit Psyllium erreicht werden kann:(8,22,45,56)

 

  • Die Supplementierung mit 15 Gramm Psyllium pro Tag über 30 Tage senkte das Gesamt- und LDL-Cholesterin im Vergleich zu Placebo um 5% bzw. 8%.
  • Zweimal täglich 5 Gramm Psyllium (8 Wochen) führte zu einer Senkung des Gesamtcholesterin- und LDL-Cholesterinspiegels um 3,5 % bzw. 5,1 %. In Kombination mit einer besser abgestimmten Ernährung war eine Senkung des Gesamtcholesterins und des LDL-Cholesterins um 8,9 % bzw. 13,2 % möglich (10,5 Gramm Psyllium pro Tag über 6 Monate), verglichen mit der Ernährungsumstellung allein und Placebo.
  • Eine Meta-Analyse von 12 Studien kommt zu dem Schluss, dass Psyllium das Gesamtcholesterin um durchschnittlich 5 % und das LDL-Cholesterin um 9 % senkt.
  • Der Verzehr von Keksen mit Psyllium reduzierte die LDL-Werte bei hypercholesterinämischen Männern um 22,6 % im Vergleich zu Placebo (Kekse mit Weizenkleie).
  • Ältere Menschen mit Hypercholesterinämie nahmen ein Jahr lang Psyllium ein. Mit jedem Gramm Zunahme der täglichen Psylliumzufuhr sank das Gesamtcholesterin um 0,022 mmol/l (0,84 mg/dl).

 

Prävention von Gallensteinen

Präklinische Untersuchungen legen nahe, dass Psyllium das Risiko für das Auftreten von Gallensteinen senkt. Dreißig Prozent der adipösen Menschen, die eine energiereduzierte Diät machen, um Gewicht zu verlieren, entwickeln Gallensteine. Eine Humanstudie hat gezeigt, dass eine Supplementierung mit Psyllium (15 Gramm/Tag) das Risiko von Gallensteinen bei fettleibigen Probanden während einer Diät stark reduziert.(58)

 

Abnehmen und Gewicht halten

Menschen, die viele ballaststoffreiche Lebensmittel essen, sind schlanker und nehmen nicht so schnell zu wie Menschen, die dies nicht tun.(3,11,59-61) Dies ist zum Teil auf den geringeren Kaloriengehalt von ballaststoffreichen Lebensmitteln zurückzuführen, aber auch auf eine allmählichere Aufnahme von Kohlenhydraten und Fetten. Über einen Zeitraum von 20 Monaten reduzierte jedes Gramm mehr an täglicher Ballaststoffaufnahme das Körpergewicht um 0,25 kg.(62) Die Einnahme von Psyllium (7-14 Gramm vor jeder Mahlzeit) sorgt für eine bessere Sättigung nach dem Essen, senkt die Fettaufnahme, reduziert das Hungergefühl und verringert das Bedürfnis nach Zwischenmahlzeiten.(11,28) Das macht es einfacher, weniger zu essen, Gewicht zu verlieren und dieses Gewicht zu halten. Die Einnahme von 14 Gramm Psyllium pro Tag zusammen mit den Mahlzeiten kann die tägliche Kalorienzufuhr um ca. 10 % senken und bewirken, dass eine Person in 4 Monaten 2 Kilogramm an Gewicht verliert.(63)

 

Metabolisches Syndrom und Typ-2-Diabetes

Das Metabolische Syndrom ist ein Paket von (metabolischen) Risikofaktoren für u. a. Typ-2-Diabetes und Herz-Kreislauf-Erkrankungen: abdominelle Adipositas, atherogene Dislipidämie, Insulinresistenz, Glukoseintoleranz, endotheliale Dysfunktion, Hypertonie und Entzündungen. Eine hohe Ballaststoffzufuhr (aus der Nahrung und aus Nahrungsergänzungsmitteln) reduziert das Risiko für das metabolische Syndrom (Insulinresistenzsyndrom), Typ-2-Diabetes und Herz-Kreislauf-Erkrankungen.(3,64) Psyllium (vor den Mahlzeiten eingenommen) ist eine ausgezeichnete Ergänzung bei metabolischem Syndrom und Typ-2-Diabetes, da es viele Komponenten des metabolischen Syndroms beeinflusst: die Kalorienaufnahme, abdominelle Adipositas, den Cholesterin- und Triglyceridspiegel, den (nüchternen und postprandialen) Blutzuckerspiegel, den (nüchternen und postprandialen) Insulinspiegel und (in begrenztem Umfang) den Blutdruck.(8,11,23,29,64-66) Psyllium sorgt dafür, dass der Blutzuckerspiegel nach den Mahlzeiten nicht zu schnell ansteigt, wodurch der Bedarf an Insulin reduziert und eine Hyperinsulinämie verhindert wird.(66) Eine Psyllium-Supplementierung bei Typ-2-Diabetes wurde mit niedrigeren (mittleren) Blutzuckerwerten, geringeren Blutzuckerschwankungen, erhöhter Insulinsensitivität und einer Senkung des HbA1c-Werts (glykosyliertes Hämoglobin) in Verbindung gebracht.(24,67,68) Die Auswirkung von Psylliumfasern auf den Nüchternblutzuckerspiegel bei metabolischem Syndrom und Typ-2-Diabetes ist signifikant und klinisch relevant.(27) Psyllium kann bei Menschen mit metabolischem Syndrom und Typ-2-Diabetes eine ähnliche Wirkung auf den Nüchternblutzuckerspiegel haben wie reguläre Antidiabetika, zum Beispiel Metformin.(27) Die Einnahme von Psyllium zu den Mahlzeiten trägt daher zur Prävention von Typ-2-Diabetes bei Menschen mit metabolischem Syndrom bei.

 

In einer Humanstudie mit 141 Probanden (50-70 Jahre alt), die übergewichtig und hypertensiv waren, führte eine Psyllium-Supplementierung (dreimal 3,5 Gramm/Tag) unter anderem zu einer signifikanten Abnahme des Blutdrucks und des Körpergewichts.(69) Nach 6 Monaten war der systolische Blutdruck um durchschnittlich 5,2 mmHg (-3,9%), der diastolische Blutdruck um 2,2 mmHg (-2,6%) und der Body-Mass-Index (BMI) um 2 Punkte (-7,2%) gefallen. Nach 6 Monaten war der Nüchtern-Plasmaglukosespiegel um 24 mg/dl (-27,9 %), der Nüchtern-Insulinspiegel um 5,1 micro-U/ml (-20,4 %), der HOMA-Index (Homeostasis Model Assessment Index, ein Maß für die Insulinresistenz) um 2,9 Punkte (-39,2 %), der HbA1c-Wert um 0,7 % (-10,4 %) und der LDL-Wert um 9 mg/dl (-4,4 %) gesunken. Die untersuchten Parameter verbesserten sich über den gesamten 6-monatigen Zeitraum der Psyllium-Supplementierung, was auf die Bedeutung einer langfristigen Psyllium-Anwendung hinweist. Auch die Gesamtcholesterin- und Triglyzeridwerte waren nach 6 Monaten nicht-signifikant gesunken, während sie nach 12 Monaten signifikant um 12 mg/dl bzw. 21 mg/dl abgenommen hatten.(69)

 

 

 

Psyllium-Supplementierung

 

Psyllium kann in Dosierungen von 7 bis 30 Gramm pro Tag angewendet werden.(15) Es ist wichtig, Psylliumfasern mit ausreichend Wasser (oder einem anderen Getränk) einzunehmen; es wird empfohlen, mindestens 30 ml Flüssigkeit pro Gramm Psyllium zu trinken. Außerdem kann Psyllium in Lebensmittel (z. B. Brot, Kekse) eingearbeitet werden. Psylliumfasern können aufgrund der (langsamen) Fermentation im Dickdarm leichte Magen-Darm-Beschwerden wie Blähungen, Völlegefühl und Übelkeit verursachen. Diese Symptome können in der Regel durch eine allmähliche Erhöhung der Dosis verhindert werden.(26,54) Wenn gastrointestinale Beschwerden auftreten, kann die Dosis vorübergehend verringert werden. Verwenden Sie Psyllium nicht kurz vor dem Schlafengehen; die herabgesetzte Magenmotilität kann die Darmpassage verlangsamen und zu Verstopfung führen. Die Supplementierung mit Psyllium ist für Kinder ab 6 Jahren geeignet.(8)

 

Wechselwirkungen

 

  • Psyllium kann die Resorption von Medikamenten verringern. Nehmen Sie Medikamente daher mindestens eine bis zwei Stunden vor bzw. mindestens zwei Stunden nach der Einnahme von Psyllium ein.(26)
  • Psylliumfasern können (theoretisch) die Aufnahme bestimmter Vitamine und Mineralien (aus der Nahrung oder aus Nahrungsergänzungsmitteln) verringern. Vermutlich ist diese Wechselwirkung nicht ausgeprägt, insbesondere wenn Psyllium eine halbe bis eine Stunde vor dem Essen eingenommen wird.
  • Die gleichzeitige Einnahme von Psyllium (dreimal täglich 6 Gramm) und Orlistat (dreimal täglich 120 mg) reduziert die Nebenwirkungen von Orlistat, ohne dessen Wirksamkeit zu verringern.(70)
  • Psyllium kann den Blutzuckerspiegel und den Blutdruck senken. Personen, die Antidiabetika und/oder Antihypertensiva einnehmen, sollten dies berücksichtigen.
  • Psyllium und (hochwertige) Proteine haben eine additive blutdrucksenkende Wirkung bei Hypertonie.(71)
  • Die Kombination von 15 Gramm Psyllium und 10 mg Simvastatin pro Tag senkt das LDL-Cholesterin, das Gesamtcholesterin und den Apolipoprotein-B-Spiegel ebenso gut wie 20 mg Simvastatin pro Tag.(72) Psyllium (10 Gramm/Tag) und Lovastatin (20 mg/Tag) haben eine additive Wirkung bei der Senkung des Cholesterinspiegels.(79) 
  • Psyllium und Phytosterine haben ebenfalls eine additive Wirkung bei der Senkung des Cholesterinspiegels.(73) 
  • Psyllium (7 Gramm/Tag) wirkt Durchfall, der durch Misoprostol verursacht wird, entgegen.(74)
  • Psyllium schützt die Darmschleimhaut vor einer Schädigung durch Aspirin.(36)
  • Psyllium und Probiotika verstärken sich gegenseitig in ihrer Wirkung bei entzündlichen Darmerkrankungen.( 49,50)

 

Kontraindikationen

 

  • Überempfindlichkeit gegenüber Psyllium. Die Wahrscheinlichkeit, dass dieser Fall eintritt, ist bei einer Reinheit von 95% der Psylliumfasern gegenüber einer Reinheit von 85% stark reduziert. Nach dem Einatmen kleiner Psylliumpartikel kann eine Sensibilisierung auftreten. Bei Personen, die beruflich mit Psyllium in Berührung kommen wie z. B. Krankenschwestern, Apotheker und Mitarbeiter in pharmazeutischen Betrieben, sind (IgE-vermittelte) Überempfindlichkeitsreaktionen (Rhinokonjunktivitis, Asthma, Magen-Darm-Beschwerden, Urtikaria, Anaphylaxie) am ehesten zu erwarten.(75,76)
  • Abnormale Strikturen im Magen-Darm-Trakt, Magengeschwüre und Speiseröhrenerkrankungen
  • Schwierig einzustellender Diabetes mellitus
  • Niedriger Blutdruck
  • Schluckbeschwerden
  • Kolorektale Adenome

 

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