Statine senken den Gehalt von Coenzym Q10 im Blut

09.09.2020

Coenzym Q10 ist eine sehr wichtige Substanz. Ohne Coenzym Q10 ist die Energiebildung in der Zelle nicht möglich und die Zelle stirbt ab. Mit zunehmendem Alter nimmt die Fähigkeit des Körpers, Coenzym Q10 zu produzieren, ab. Auch die Verwendung von (cholesterinsenkenden) Statinen hat eine deutlich reduzierende Wirkung auf den endogenen Spiegel des Coenzyms Q10. Um das Risiko eines Herzinfarktes oder der Atherosklerose zu verringern, werden vielen Menschen mit Herz-Kreislauf-Erkrankungen Statine verschrieben. Die Ergebnisse einer kürzlich durchgeführten Studie zeigen, dass die Plasmakonzentration des Coenzyms Q10 bei Personen, die ein Statin einnehmen, im Vergleich zu Patienten, die andere Herzmedikamente einnehmen und im Vergleich zu gesunden Personen signifikant niedriger ist.

Coenzym Q10

Coenzym Q10 wirkt hauptsächlich als Kofaktor bei der oxidativen Phosphorylierung (Zellatmung) in den Mitochondrien. Darüber hinaus ist das Coenzym Q10 ein starkes Antioxidans und reguliert die Expression von Hunderten von Genen. Coenzym Q10 kommt in jeder Körperzelle vor, und besonders Herz, Muskeln, Gehirn, Bauchspeicheldrüse und Darmschleimhäute benötigen viel davon, um richtig zu funktionieren. Ab dem 40. Lebensjahr nimmt die Biosynthese des Coenzyms Q10 stetig ab. Krankheit, Ernährungsmängel und der Einsatz von Medikamenten führen ebenfalls zu einer verminderten Produktion.

Die Biosynthese des Coenzyms Q10 erfolgt aus Acetyl-CoA, aus dem auch Cholesterin gebildet wird. Tatsächlich verläuft die Synthese dieser beider Substanzen weitgehend auf gleiche Weise. Statine (die so genannten HMG-CoA-Reduktase-Inhibitoren) hemmen auf diesem biochemischen Weg eine bestimmte Umwandlung, wodurch weniger Cholesterin, aber auch weniger Coenzym Q10 gebildet wird. Ungefähr 2 Millionen Menschen in den Niederlanden verwenden Statine.

Struktur der Forschung


Die Studie umfasste insgesamt 116 Teilnehmer, darunter 62 Patienten mit Herz-Kreislauf-Erkrankungen und 54 praktisch gesunde Personen. Das Durchschnittsalter betrug 64,2 Jahre. Die Teilnehmer wurden auf der Grundlage der verwendeten Medikamente in 5 Gruppen eingeteilt.

GruppeAnzahlMedikation
A15Atorvastatin*Bisoprolol/ Metoprolol
B17Atorvastatin*Bisoprolol/ MetoprololAmlodipin
C18Bisoprolol/ MetoprololAmlodipin
D12Bisoprolol/ MetoprololAmlodipinEthoxidol
E54
Tabelle 1. Teilnehmer an der Studie und ihre Medikation: Patienten (A bis D) und Gesunde (E).

*Atorvastatin ist ein Statin, Bisoprolol und Metoprolol sind Betablocker, Amlodipin ist ein Calciumkanalblocker (Calciumantagonist), Ethoxidol ist ein Antioxidant.


Abnehmende Wirkung von Statin auf die Plasmakonzentration von Coenzym Q10

Nach der Blutentnahme wurde für jeden Teilnehmer die Plasmakonzentration des Coenzyms Q10 bestimmt. Bei Herz-Kreislauf-Patienten (Gruppe A bis D) war die Plasmakonzentration von Coenzym Q10 signifikant niedriger (durchschnittlich -49%) als bei gesunden Probanden (Gruppe E).

Es wurden große Unterschiede zwischen den verschiedenen Patientengruppen mit unterschiedlichen Medikamentenkombinationen festgestellt. In Gruppe A war die Plasmakonzentration von Coenzym Q10 um nicht weniger als 60% niedriger als bei gesunden Probanden, während in Gruppe B, C und D die Coenzym Q10-Plasmakonzentration um 52%, 45% bzw. 33% niedriger war.


Dynamiken-Patiengruppen
Abbildung 1. Unterschiede in der Plasmakonzentration des Coenzyms Q10 in den verschiedenen Patientengruppen im Vergleich zur Gruppe der gesunden Personen (E).

Die Forscher untersuchten auch die Wirkung der einzelnen Medikamente. Für die Wirkung des Statins Atorvastatin auf den Coenzym Q10-Status wurden die Plasmakonzentrationen bei Patienten in Gruppe B mit denen in Gruppe C verglichen. Dabei zeigte sich, dass Personen, die Atorvastatin in Kombination mit einem Betablocker und Calciumantagonisten einnahmen, eine signifikant niedrigere Plasmakonzentration (durchschnittlich -15,2%) aufwiesen als Personen, die Atorvastatin nicht in Kombination mit ihrem Betablocker und Calciumantagonisten einnahmen. Daraus schlossen die Forscher, dass Atorvastatin die Plasmakonzentration des Coenzyms Q10 signifikant reduziert.

Coenzym Q10-Supplementierung von Bedeutung

Statine werden in der Regel über einen langen Zeitraum eingesetzt. Bei der Verwendung von Statinen ist die Einnahme eines Coenzym Q10-Supplements (vorzugsweise in Form von Ubiquinol) sinnvoll und eventuell notwendig, um die statinbedingte verminderte Produktion von Coenzym Q10 auszugleichen und Nebenwirkungen zu bekämpfen. Auch bei der Verwendung von Roter Hefe-Reis, einer natürlichen Alternative zu Statinen, ist es sinnvoll, das Coenzym Q10 (Ubiquinol) zu ergänzen. Die Monacoline in Roter Hefe-Reis haben die gleiche hemmende Wirkung auf das Enzym HMG-CoA-Reduktase wie Statine. In der Praxis scheint Roter Hefe-Reis jedoch weniger Nebenwirkungen als Statine zu haben, was vielleicht auf das Vorhandensein mehrerer anderer (aktiver) Substanzen im Roter Hefe-Reis zurückzuführen ist, wie z.B. einfach ungesättigte Fettsäuren, Isoflavone, Phytosterine und Pigmente. Das macht sie zu einer guten Alternative für Menschen, die Statine nicht gut vertragen. Verschiedene Rote-Hefe-Reis-Produkte guter Qualität enthalten bereits Coenzym Q10 (Ubiquinol), um die hemmende Wirkung auf die Produktion von Coenzym Q10 auszugleichen.

Quellen

Shikh E, Zozina V, Kondratenko S, et al. The particulars of certain drugs’ effect on the endogenous coenzyme Q10 plasma level in patients with cardiovascular disease. Drug Metabol Pers Ther 2020;35(2).

https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/32609647/
Roter Reis: Natürliche Alternative zu Statinen

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