Berberin bei viralen und bakteriellen Infektionen

16.03.2020

Präklinische (In-vitro- und In-vivo-) Studien haben gezeigt, dass Berberin eine antivirale Breitbandaktivität besitzt und effektiv gegen das Eindringen vieler Viren in die Wirtszelle und ihre sich daran anschließende Replikation wirksam ist. Berberin kann zur Prävention einer Virusinfektion oder auch bei einer bereits bestehenden Virusinfektion angewendet werden.

Wichtige antivirale Wirkungsmechanismen von Berberin betreffen die Hemmung von Zellprozessen, die ein Virus zur Replikation in der Wirtszelle einsetzt. So zum Beispiel die virusinduzierte Aktivierung von MAPK-Signaltransduktionswegen (MAPK: mitogen-activated protein kinase) und die Autophagie (Reinigungssystem in der Zelle).

Berberin besitzt (insbesondere im Magen-Darm-Trakt) eine signifikante antimikrobielle Aktivität gegen pathogene Bakterien, Viren, Pilze und Parasiten (Protozoen, Würmer), wohingegen es für Körperzellen ungefährlich ist und günstige Darmbakterien wie zum Beispiel Milchsäure- und Bifidobakterien unbehelligt lässt. Berberin hemmt Durchfall, der durch bakterielle, beispielsweise von E. coli oder Vibrio cholerae stammende (Entero-) Toxine verursacht wird, indem es Bakterien hemmt oder abtötet, den Verlust von Flüssigkeit und Elektrolyten aus der entzündeten Darmwand verhindert (Festigung der Tight Junctions) und die beschleunigte Darmperistaltik bremst. Eine Dosis ab 1200 mg Berberin führt beim Menschen zu einer signifikanten Verlängerung der Passagezeit durch den (Dünn-) Darm.

Berberin lässt sich hervorragend mit anderen antimikrobiellen Mitteln kombinieren, wobei es oft eine additive oder synergetische Wirkung zeigt.

Eine Hemmung der Anlagerung von Mikroorganismen an Wirtszellen (Biofilmbildung) lässt sich durch eine viel geringere Berberin-Dosis erreichen als sie für die Vermehrungshemmung oder das Abtöten von Mikroorganismen erforderlich ist. Bei schätzungsweise 80% aller klinischen Infektionen (mit Bakterien, Pilzen, Protozoen oder Viren) nimmt die Bildung des Biofilms eine wichtige Rolle im Krankheitsprozess ein. In geringen Dosen kann Berberin als antimikrobielle Prophylaxe (Hemmung der Biofilmbildung) eingenommen werden, in höheren Dosen als antimikrobielle Therapie (zugleich Hemmung und ggfs. Abtötung von Mikroorganismen). Übliche Dosierungen sind 200 – 2000 mg Berberin pro Tag.

Unter anderen reagieren die folgenden Viren auf Berberin empfindlich:

  • Influenza-Virus (H1N1): Tierstudien zeigen, dass eine Berberin-Supplementierung zu einer signifikanten und dosisabhängigen Verringerung der Virusreplikation in den Lungen, zur Hemmung einer Lungenentzündung und Senkung des Sterberisikos führt. Bei Risikogruppen für Grippekomplikationen (u. a. Senioren) kann eine präventive oder therapeutische Berberin-Supplementierung möglicherweise von Nutzen sein.
  • Zika-Virus: In In-vitro-Untersuchungen wurde nachgewiesen, dass Berberin eine virozide Wirkung gegen das Zika-Virus hat. Die präventive Supplementierung mit einer moderaten Dosis Berberin kann in Regionen, in denen diese Infektion häufig auftritt (Mittel- und Südamerika), sinnvoll sein.
  • Chikungunya-Virus (CHIKV): Berberin hemmt in dosisabhängiger Weise die Virusreplikation, indem es die virusinduzierte Aktivierung von MAPK-Signaltransduktionswegen in der Wirtszelle, die für die Replikation dieses (sub-)tropischen Virus essentiell sind, blockiert. In einer Tierstudie nahmen die Viruslast (Zahl der Virusteilchen pro Milliliter Blut) und die Krankheitssymptome (Entzündungsprozess, Schwellung) durch Berberin-Supplementierung signifikant ab. In-vitro-Untersuchungen haben gezeigt, dass Berberin gegen verschiedene CHIKV-Stämme in Wirtszellen unterschiedlicher Art wirksam ist.
  • Respiratorisches Synzytial-Virus (RSV): Dieses Virus, das konventionell nicht angemessen bekämpft werden kann, verursacht schwere Infektionen der unteren Luftwege. Berberin hemmt (in vitro) signifikant die Invasion und Replikation von RSV in Epithelzellen. Für den Erfolg der Virusinfektion (Invasion, Replikation) ist die Aktivierung von MAPK-Signaltransduktionswegen durch das RSV entscheidend. Berberin besitzt auch dadurch antivirale Wirksamkeit, dass es die MAPK-Aktivität moduliert.
  • Enterovirus 71 (EV71): Dieses Virus ist der Erreger der Hand-Fuß-Mund-Krankheit. Berberin hemmt (in vitro) die Virusreplikation, indem es die virusinduzierte Autophagie und MAPK-Aktivierung hemmt.

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