Pflanzliche Salvestrole – wichtige Entdeckung im Kampf gegen Krebs

Item16. November 2010 12:05:37 Pflanzliche Salvestrole
Artikel aus der Fachzeitschrift „Der Heilpraktiker & Volksheilkunde“
Januar 2010 / Pflanzliche Salvestrole

Prof. Dan Burke (GB, Hochschullehrer für Pharmaceutical Metabolism
= Verstoffwechselung von Arzneimitteln) erforscht die Salvestrole
– pflanzliche Verbindungen, die die Tumorzellen selektiv beseitigen.
Er unterstreicht die Bedeutung natürlicher, biologisch angebauter
Nahrungsmittel für die Gesundheit und Krebsprävention.

Krebs ist auf eine Veränderung der DNA zurückzuführen: Eine Körperzelle hat nach mindestens vier einzelnen Mutationen in verschiedenen Genen, die von entscheidender Bedeutung für die Kontrolle der Zellteilung und des Zelltodes sind, die Möglichkeit, sich unkontrolliert zu vermehren. Als wichtige Ursachen für (oxidative) DNA-Veränderungen gelten chemische Stoffe, UV-Strahlen und Mikroben (Viren).

Die Bildung von Tumorzellen ist an sich nichts Ungewöhnliches. Bruce Ames, Professor für Biochemie und Molekularbiologie, Universität von Kalifornien, hat errechnet, dass die DNA in einer Zelle zu jedem beliebigen Zeitpunkt an circa 150.000 Stellen durch freie Radikale beschädigt ist und im Körper insgesamt etwa 15 x 1018 oxidative DNA-Schäden zu finden sind.1

Wir können die Schädigung der DNA begrenzen, indem wir den Kontakt mit krebserregenden und oxidierenden Substanzen möglichst vermeiden. Darüber hinaus helfen Antioxidantien und Radikalfänger als Primärverteidigung.

Die Zelle versucht, DNA-Mutationen zu reparieren. Gelingt ihr dies nicht, wird sich die Zelle durch Aptoptose selbst vernichten. Wenn dieser Kontrollmechanismus versagt, versucht das Immunsystem, die Tumorzellen zu beseitigen und den Prozess des Tumorwachstums und der Metastasierung zu verhindern oder zu verzögern. Dieser Mechanismus funktioniert bei zwei von drei Menschen, bei jedem dritten Menschen jedoch nicht.

Zum Zeitpunkt der Entdeckung eines Tumors ist die Erkrankung oft bereits weit fortgeschritten und lebensbedrohlich. Die Zeit drängt. Dies rechtfertigt die Anwendung aggressiver medizinischer Behandlungen wie der Strahlen und Chemotherapie. Der Nachteil ist, dass dabei nicht ausschließlich Tumorzellen, sondern auch viele gesunde Körperzellen absterben. Die meisten Krebsmedikamente wirken nicht selektiv genug und zerstören auch gesundes Gewebe.2

Darüber hinaus besteht nach Ansicht von Burke die Gefahr, dass diese Behandlungen einen entgegengesetzten Effekt haben und das Wachstum und die Metastasierung eines Tumors sogar noch beschleunigen kann.

CYP1B1, ein tumorspezifisches Enzym

Gemüse und Obst, das reich an Antioxidantien und Pflanzennährstoffen ist, trägt erheblich zur Krebsprävention bei. Dies ist unter anderem dem Vorhandensein von Salvestrolen in Gemüse und Obst zu verdanken, so Burke. Salvestrole, die in pflanzlichen Nahrungsmitteln vorkommen, sind für Tumorzellen zytotoxisch, für gesunde Zellen jedoch völlig unschädlich.

Prof. Burke und sein damaliger Kollege Gerry Potter entdeckten 2003 die Salvestrole. Prof. Burke hat jahrelang als Pharmakologe an der Universität von Aberdeen geforscht und gelehrt. 1995 entdeckte er, dass das Cytochrom P450-Enzym, das CYP1B1, seine Wirkung ausschließlich in Tumorzellen und nicht in gesunden Zellen entfaltet.

Mit Hilfe eines bestimmten Farbstoffs gelang es den beiden Professoren, das CYP1B1-Enzym in Gewebeproben (Bioptaten) sichtbar zu machen. Alle präkarzinösen und karzinösen Zellen nahmen den Farbstoff auf. Dabei spielte es keine Rolle, ob die Tumorzellen aus dem Primärtumor oder einer Metastase stammten. Es machte auch keinen Unterschied, welchem Gewebe oder welchem Organ die Tumorzellen entnommen wurden: Prostata, Brust, Dickdarm, Gehirn, Speiseröhre, Haut, Bindegewebe, Eierstock etc. Gesunde Zellen hingegen nahmen den Farbstoff in keinem einzigen Fall auf.

Nach der Untersuchung von hunderten Bioptaten karzinöser, präkarzinöser und gesunder Gewebe kamen die Forscher zu der Schlussfolgerung, dass CYP1B1 ein tumorspezifisches Enzym ist, das bei allen Krebserkrankungen vorliegt. CYP1B1 kann als universeller Tumormarker angesehen werden, mit dem sich Tumorzellen von gesunden Zellen unterscheiden lassen.3, 4, 5

Von CYP1B1 zu Salvestrolen

Im menschlichen Körper (insbesondere in der Leber) sind Cytochrom P450(CYP)-Enzyme am Abbau von Medikamenten beteiligt. In vielen Fällen inaktivieren sie die Arzneistoffe, indem sie deren Molekularstruktur ändern. Die CYP-Enzyme bewirken, dass sich die Metabolite schneller auflösen, so dass sie leichter über den Harn ausgeschieden werden können. Umgekehrt scheint es aber auch möglich, dass ein CYP-Enzym ein bei Einnahme inaktives Medikament (eine Prodroge) aktiviert.

Burke fragte sich, ob es möglich sei, eine Prodroge zu entwickeln, die für gesunde Zellen völlig unschädlich ist und von dem CYP1B1-Enzym ausschließlich in Tumorzellen zu einer für die Tumorzelle tödlichen Verbindung aktiviert wird. Mit einer derartigen Prodroge könnten sämtliche Krebserkrankungen wirkungsvoll und selektiv bekämpft werden.

Burke, der inzwischen an der Universität von Leicester forschte und lehrte, wandte sich mit dieser Frage an den klinischen Chemiker Professor Gerry Potter, der auf die Entwicklung von Krebsmedikamenten spezialisiert ist. Potter entwickelte DMU-135, eine synthetische Prodroge, die von CYP1B1 aktiviert wird und die Tumorzelle zur Apoptose veranlasst. Da der wirksame Bestandteil der Prodroge (eine Stilbenstruktur) auch in pflanzlichen Verbindungen vorkommt, ging Potter davon aus, dass Äquivalente des DMU-135 wahrscheinlich auch in Obst und Gemüse zu finden sind.

Dies war der Beginn der Suche nach den Salvestrolen (salvere = retten): natürlichen Prodrogen aus Gemüsen, Gewürzkräutern und Obst, die (über eine Aktivierung durch CYP1B1) aus dem Ruder gelaufene Zellen zur Apoptose veranlassen und vor Krebswachstum, auch im frühen Stadium, schützen.6, 7

Inzwischen wurden über 25 verschiedene Salvestrole identifiziert und in humanen (Tumor-) Zellkulturen getestet. Das Unternehmen Nature’s Defence, das Nahrungsergänzungsmittel mit Salvestrolen entwickelt, hat sich aus ethischen Gründen gegen Tierversuche entschieden.8 In in-vitro-Studien wurde für jedes Salvestrol nachgewiesen, dass es:

  • Tumorzellen über Apoptose vernichtet
  • bei einer hohen Dosierung mehr Tumorzellen abtötet (Dosis-Wirkungs-Kurve)
  • in Tumorzellen von Enzym CYP1B1 aktiviert wird (nach Blockierung des CYP1B1-Enzyms in Tumorzellen verliert Salvestrol seine Wirksamkeit)
  • gesunde Zellen nicht angreift

Im Laufe der Zeit wurden immer bessere Nahrungsergänzungsmittel mit Salvestrolen entwickelt, die je nach Dosierung präventiv oder therapeutisch eingesetzt werden können. Salvestrole halten Tumorzellen und Vorstadien von Tumorzellen unter Kontrolle und zwingen sie zur Apoptose, also zu einem für alte und funktionsunfähige Körperzellen normalen Prozess. Salvestrole unterstützen somit einen wichtigen Selbstheilungsprozess.

Salvestrolgehalt der Nahrungsmittel

Der Salvestrolgehalt in unseren Nahrungsmitteln hat sich in den vergangenen 50 Jahren drastisch reduziert. Was ist die Ursache?

Salvestrole sind Phytoalexine, Verbindungen, die Pflanzen bilden, um sich vor Schimmelpilzen und sonstigen Stressoren zu schützen. Die Berührung mit Schimmelpilzen regt die Pflanze an, größere Mengen dieser häufig bitter schmeckenden Phytoalexine zu produzieren. Aufgrund des Einsatzes von Pflanzenschutzmitteln kommen konventionell angebaute Nutzpflanzen nur noch selten mit Schimmelpilzen in Berührung. Infolgedessen enthalten sie 30 Prozent weniger Salvestrole als biologisch angebaute. Einige Pflanzenschutzmittel hemmen zudem das CYP1B1-Enzym.

Personen, die diese Giftstoffe mit der Nahrung aufnehmen, haben weniger Nutzen von Salvestrolen. Ein guter Grund, an Krebs erkrankten Personen zu empfehlen, sich ausschließlich von biologisch angebauten Produkten zu ernähren. Bei der Herstellung von Fruchtsäften (z.B. Cranberrysaft) werden die bitteren Salvestrole beseitigt, um den gewünschten süßen Geschmack zu erhalten, ohne dem Produkt Zucker oder chemische Süßstoffe zufügen zu müssen.

Viele Gemüse- und Obstsorten werden wegen ihres milden Geschmacks gewählt, da Menschen den bitteren Geschmack nicht so mögen; diese Sorten enthalten jedoch weniger Salvestrole. Salvestrole sind hitzestabil, werden aber vom Kochwasser ausgelaugt. Deshalb empfiehlt Burke eine biologische Ernährung, die gegebenenfalls um eine präventive (Tages-) Dosis Salvestrole ergänzt wird.

Therapeutischer Effekt der Salvestrole

Ende 2007 erschien im Journal of Orthomolecular Medicine ein Artikel, in dem beschrieben wird, wie es fünf Personen mit Krebs (Lungen-, Haut-, Prostata-, Brust- und Blasenkrebs) erging, die (zusätzlich) mit Salvestrolen behandelt wurden.9

Ein Mann (69 Jahre) hustete Blut, in seinen Lungen wurde ein 7 cm großes, inoperables Plattenepithelkarzinom (Stadium 2-3) gefunden. Die Lymphknoten hatten sich auf einen Durchmesser von bis zu 3 cm vergrößert. Die Ärzte glaubten, dass er noch höchstens 18 Monate zu leben hätte. Eine Strahlen- oder Chemotherapie wurde für sinnlos erachtet.

Der Mann änderte seine Ernährungsweise, verzichtete auf Fleisch, Milchprodukte und raffinierten Zucker und ernährte sich hauptsächlich von Gemüsen, Obst und Fruchtsäften aus biologischem Anbau. Zusätzlich nahm er täglich eine ziemlich hohe Dosis Salvestrole ein. Nach einer Woche hörte das Bluthusten auf; nach vier Wochen hatte sich das Tumorgewebe vom umliegenden Gewebe gelöst und war operabel; nach sechs Wochen entfernten die Chirurgen erfolgreich einen größtenteils geschrumpften Tumor.

Salvestrole haben fast keine Wechselwirkung mit Medikamenten und können als Ergänzung zu einer regulären Behandlung eingesetzt werden.

Burke vergleicht das in jeder Tumorzelle vorhandene CYP1B1-Enzym mit einem trojanischen Pferd, das einem Salvestrol die Möglichkeit bietet, ausschließlich die Tumorzelle zugrundezurichten. 10

Wichtige natürliche Quellen von Salvestrolen sind:

Äpfel, Heidelbeeren, Preiselbeeren, Erdbeeren, Weintrauben, Orangen, Mandarinen, Avocados, Brokkoli, Blumenkohl, Chinakohl, Rosenkohl, Oliven, Artischocken, Basilikum, Löwenzahn, Mariendistel, Minze, Petersilie, Rosmarin, Salbei, Helmkraut, Thymian.

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