Der Cordyceps sinensis – ein Pilz mit breitem Anwendungsspektrum

Dieser Artikel vermittelt auf der Basis neuerer wissenschaftlicher Abhandlungen und experimenteller In-vitro- und Tierstudien einen guten Eindruck von den Eigenschaften und möglichen Anwendungsgebieten des ungewöhnlichen Heilpilzes Cordyceps sinensis.

Cordyceps sinensis ist ein wertvoller Heilpilz, der in China und anderen asiatischen Ländern schon seit über 2000 Jahren als Tonikum verwendet wird, um Gesundheit und Vitalität zu verbessern, Alterungsvorgängen entgegenzuwirken und die verschiedensten (altersbezogenen) Krankheitsbilder zu behandeln.(1,2,3,12) Cordyceps wird in der Traditionellen Chinesischen Medizin (TCM) unter anderem eingesetzt, um den ‚Nieren‘- und ‚Lungenmeridian‘ zu stärken und Mattigkeit, Nachtschweiß, Lumbalgie (Hexenschuss), Libidoverlust, Impotenz, Hyperglykämie, Hyperlipidämie, Erschöpfungszustände durch schwere Krankheit, Atemwegserkrankungen, Herz- und Gefäßkrankheiten, Nierenerkrankungen und Lebererkrankungen zu behandeln.(1-7,12)

Winterwurm und Sommergras

Cordyceps parasitiert auf der Raupe einer bestimmten Nachtfalterart und wird wegen seiner verschiedenen Ausprägungsformen auch ‚Winterwurm‘ (mit Myzel ausgefüllte Raupenhülle) und ‚Sommergras‘ (fingerförmiger, aus der Raupenmumie herauswachsender Fruchtkörper) genannt. Der vom Aussterben bedrohte Pilz kommt nur im Hochgebirge (auf dem Qinghai-Tibet-Plateau) im Südwesten Chinas und in Tibet vor. Glücklicherweise kann das Pilzmyzel von Cordyceps sinensis heutzutage hervorragend auf einem pflanzlichen Kultursubstrat wie z.B. Reis gezogen werden.(1) Wissenschaftler haben festgestellt, dass die Pilzfäden der dafür selektierten Cordiceps-sinensis-Variante die selben Inhaltsstoffe enthalten und die selben pharmakologischen und heilkräftigen Eigenschaften besitzen wie die ursprüngliche Cordyceps-Wildform.(1,8,9) Dies trifft auch auf das aus einer Kultur stammende Pilzgeflecht von Cordyceps militaris zu.(1,10)

Das Yin nährend und das Yang verstärkend

cordycepsCordyceps wird in der TCM als Tonikum klassifiziert, das das Yin nährt (Yin steht für Struktur) und das Yang verstärkt (Yang steht für Funktion).(5,6) Die Yin-tonisierende Eigenschaft von Cordyceps sinensis äußert sich unter anderem seiner Aktivität als Antioxidans und der starken immunmodulatorischen Wirkung. Cordyceps stimuliert und stärkt das Abwehrsystem, wenn es geschwächt ist oder besonderer Unterstützung bedarf wie bei Infektionskrankheiten, Alterung oder Krebs, und bremst und reguliert das Abwehrsystem, wenn es überaktiv (chronische Entzündungskrankheiten) oder aus dem Gleichgewicht geraten ist wie bei Stress, Allergien oder Autoimmunkrankheiten.(1,2,4,5,8,11-13) Die Yang-verstärkende Eigenschaft von Cordyceps äußert sich unter anderem in der Erhöhung der zellulären (mitochondralen) Energieproduktion, auch indem der oxidative Stress verringert und der Glukosestoffwechsel verbessert wird.(5,11) Verschiedene Humanstudien, darunter eine plazebokontrollierte Studie mit chronisch erschöpften älteren Probanden, bestätigen, dass Cordyceps die Vitalität erhöht.(12) Bei chronisch erschöpften Senioren nahmen Beschwerden wie Mattigkeit, Kälteintoleranz, Schwindelgefühl, Ohrensausen und Gedächtnisprobleme im Vergleich zur Kontrollgruppe durch die Einnahme von Cordyceps signifikant ab.(12) In einer anderen plazebokontrollierten Studie mit gesunden Senioren stiegen Ausdauer und maximale Sauerstoffkapazität bei Belastung (Rad fahren auf einem Hometrainer) nach der Einnahme von Cordyceps signifikant an.(12)

Eine einfache und zuverlässige Methode zum Nachweis, dass ein Präparat die Ausdauer verbessert und die Ermüdung verzögert, ist ein Tierversuch, bei dem Mäuse gezwungen werden, so lange zu schwimmen, bis sie völlig erschöpft sind. In diesem Versuch sorgte die Nahrungsergänzung mit einem Heißwasserextrakt aus Cordyceps sinensis (reich an Polysacchariden) für eine signifikante Steigerung der Ausdauer und Verringerung der Ermüdungserscheinungen, auch durch die Erhöhung der Stresstoleranz.(9,12) Die akute Stresssituation führte bei den Kontrolltieren zur Vergrößerung der Nebennieren und zur Verkleinerung von Leber, Milz, Thymus und Schilddrüse. Bei den Tieren, denen Cordyceps-Extrakt verabreicht worden war, hatte der Stress auf die Größe und das Gewicht dieser Organe keinen Einfluss.(9)

Cordyceps sinensis sorgt auch infolge der Erhöhung der Energieproduktion, der Verbesserung von Antioxidantien-Status, Immunkompetenz und Stressstabilität für eine Verzögerung des Alterungsprozesses.(5)

Sexualität und Fruchtbarkeit

Cordyceps sinensis ist als Aphrodisiakum bekannt, das sowohl bei Männern als auch bei Frauen den Geschlechtstrieb verstärkt, insbesondere dann, wenn dieser mit zunehmendem Alter abgenommen hat. Das  geschieht unter anderem dadurch, weil Cordyceps die Biosynthese von Steroidhormonen (Cortisol, Testosteron, Östrogen), deren Produktion mit zunehmenden Alter nachlässt, verbessert.(5,6,12,13) In einem tierexperimentellen Modell für die durch Kastration induzierte männliche Alterung wurde kürzlich bestätigt, dass Cordyceps sinensis eine dosisabhängige libidosteigernde Aktivität besitzt.(7) In einem älteren Tiermodell für die verminderte Bildung von Androgenen (beim Menschen durch Krankheit, Alterung oder Arzneimittelgebrauch verursacht) führte Cordyceps-Pulver aus dem naturbelassenen Pilz (20 mg pro Kilogramm Körpergewicht) zu einer stärkeren Erhöhung des Testosteronspiegels als extrahierte Cordyceps-Fraktionen.(15)

Von jeher wird Cordyceps angewendet, um die Fruchtbarkeit von Männern und Frauen zu erhöhen. Nach Meinung von Wissenschaftlern ist Cordyceps ein geeigneter Kandidat, um die Fruchtbarkeit bei Frauen zu erhöhen und die Erfolgsquote bei der In-Vitro-Fertilisation (IVF) zu steigern. In-Vitro-Untersuchungen haben gezeigt, dass Cordyceps sinensis die Produktion von 17ß-Östradiol* in humanen Granulosaluteinzellen (Eierstockzellen) dosisabhängig durch Heraufregulation der Expression von  Enzymen, insbesondere von StAR (steroidogenic acute regulatory protein) und Aromatase, stimuliert.(14) Es gibt immer mehr Beweise dafür, dass 17ß-Östradiol einen direkten Einfluss auf die Qualität der ausreifenden Eizellen und damit den Erfolg einer IVF-Behandlung hat.

Stimmung und Kognition

cordycepsDie Wahrscheinlichkeit, dass eine kognitive Verschlechterung und Demenz eintritt, nimmt mit dem Alter zu.  In einem Tiermodell für Alterung (induziert durch D-Galactose*) führte die Nahrungsergänzung mit Cordyceps-sinensis-Extrakt zu einer signifikanten dosisabhängigen Verbesserung der Lern- und Gedächtnisfähigkeit. Die Wissenschaftler stellten auch eine signifikante Erhöhung der Aktivität antioxidativer Enzyme fest (Glutathionperoxidase, Superoxiddismutase, Katalase), deren Aktivität durch den Alterungsprozess abgenommen hatte.(7) Die Struktur und Ultrastruktur des Hippocampus, eines Hirngebiets, in dem degenerative Veränderungen aufgetreten waren, zeigte nach der Nahrungsergänzung mit Cordyceps starke Besserungen. Die Studie legt nahe, dass Cordyceps sinensis das Gehirn strukturell sowie funktional beim Älterwerden gesund erhält, indem es u.a. den Antioxidantien-Status verbessert.(7)

Da Erschöpfung und Depression nahe beieinander liegen, wollten die Forscher wissen, ob Cordyceps sinensis eine antidepressive Wirkung hat. Sie fanden diese Hypothese in einem häufig eingesetzten Tiermodell für Depression (Tail suspension test) bestätigt, in dem ein durch Extraktion mit superkritischem CO2 gewonnener Cordyceps-Extrakt eine signifikante antidepressive Wirkung zeigte. Die Forscher stellten fest, dass die antidepressive Aktivität zum Teil auf der Beeinflussung der adrenergen* und dopaminergen* Systeme (und nicht des serotonergen Systems) beruht.(11) Nach der ‚Monoamin-Hypothese‘ spielen Monoamine* (Noradrenalin, Dopamin, Serotonin) bei der Entstehung depressiver Beschwerden eine wichtige Rolle.

Herz und Blutgefäße

Cordyceps sinensis hat eine Reihe von Eigenschaften, mit denen sich erklären lässt, dass dieser Heilpilz gut für Herz und Blutgefäße ist. Cordyceps hat eine gefäßerweiternde und blutdrucksenkende Wirkung, unterstützt einen regelmäßigen Herzrhythmus, senkt den Cholesterinspiegel, hemmt die Thrombozytenaggregation, hat eine entzündungshemmende und antioxidative Aktivität, hemmt die Ischämie-/Reperfusionsschädigung* und verbessert die Durchblutung des Herzmuskels.(1,2,7,11,12,14,16) In einer Tierstudie zeigte Cordyceps sinensis eine heilende Wirkung bei renaler Hypertension.(1)

Versuchstiere, die neben einer cholesterinreichen Nahrung einen Heißwasserextrakt aus Cordyceps sinensis (Myzel) erhielten, zeigten einen niedrigeren Gesamtcholesterin-Spiegel als die Kontrolltiere.(18) Außerdem verbesserte sich der Atherogenese-Index (Gesamtcholesterin minus HDL-Cholesterin, geteilt durch HDL-Cholesterin), dies auch aufgrund des Anstiegs des HDL-Cholesterinspiegels und der Senkung des LDL- und VLDL-Cholesterinspiegels. Die Tierstudie legt nahe, dass der Cordyceps-Extrakt durch Verbesserung der Blutlipidwerte einer Atherosklerose entgegenwirkt. In verschiedenen Humanstudien wurde nachgewiesen, dass die Einnahme von Cordyceps (ca. 3 Gramm pro Tag) zu einer signifikanten Senkung des Cholesterin- und Triglyceridspiegels, zur Erhöhung des HDL-Cholesterinspiegels und zur Verbesserung des Verhältnisses von HDL- zu LDL-Cholesterin führt.(12)

Glukosestoffwechsel

cordyceps

Zahlreiche Tierstudien haben gezeigt, dass Cordyceps sinensis bei der Bekämpfung der Hyperglykämie durch Diabetes Typ 1 oder 2 unterstützend wirkt und für eine Verbesserung der peripheren Insulinempfindlichkeit sorgt.(11,14,19) Es sind vermutlich Polysaccharide (insbesondere ß-Glukane) in Cordyceps sinensis, die den Blutzuckerspiegel senken. Mögliche Erklärungen für die hypoglykämische Aktivität von Cordyceps: Verbesserung der Insulinsekretion durch die Bauchspeicheldrüse bzw. Hemmung des Insulinabbaus, Verringerung von oxidativem Stress, Erhöhung des Gehalts glukoseregulierender Enzyme in der Leber (Glucokinase, Hexokinase), Förderung einer sukzessiven Glukoseresorption aus dem Magen-Darm-Kanal.(19,20) In einem Tiermodell für Insulinmangeldiabetes hatten oral verabreichte Präparate des Myzels oder des Fruchtkörpers von Cordyceps sinensis eine gleich starke antihyperglykämische Wirkung (festgestellt anhand des oralen Glukosetoleranztests, des post-prandialen* und nüchternen Glukosespiegels und des Fruktosamin-Serumspiegels).(19) Die Versuchstiere mit Diabetes fraßen und tranken weniger und hatten weniger Gewichtsverlust als die Kontrollgruppe, was nahe legt, dass Cordyceps dem diabetesassoziierten Katabolismus* und der diabetesassoziierten Leberdysfunktion entgegenwirkt. Weitere Untersuchungen sind wünschenswert, um festzustellen, ob eine Nahrungsergänzung mit Cordyceps sinensis bei Diabetikern und Menschen mit erhöhtem Risiko, aufgrund einer Insulinresistenz (metabolisches Syndrom) an Diabetes zu erkranken, zur Verbesserung des Glukosestoffwechsels beiträgt.(19)

In einer klinischen Studie wurde bei 95% der Diabetiker, die 3 Gramm Cordyceps sinensis pro Tag einnahmen, eine Verbesserung des Blutzuckerspiegels festgestellt, dagegen nur bei 54% der Gruppe, die

eine andere Behandlung erhielt.(21) Bei gesunden Probanden sorgte Cordyceps (3 Gramm pro Tag) auch für eine bessere Blutzuckerregulation mit geringeren Schwankungen des Blutzuckerspiegels im Tagesverlauf innerhalb der Normalwerte.(12)

Infektionskrankheiten

Cordyceps sinensis stimuliert die angeborene Immunität und ist u.a. gegen Schimmelpilze, Viren (darunter HIV), Bakterien (darunter Clostridium, Streptokokken) aktiv und wirkt als Larvizid*.(1,8,12,22) Vertreter der TCM empfehlen die Einnahme von Cordyceps oft, um die Widerstandskraft gegen Infektionskrankheiten wie z.B. Erkältung und Grippe zu erhöhen.(12)

Chronische Entzündungskrankheiten

MMPs (Matrix-Metalloproteinasen) sind Schlüsselenzyme für den Abbau der extrazellulären Matrix. Bei chronischen Entzündungskrankheiten wie z.B. der rheumatoiden Arthritis spielt die Aktivierung von MMPs eine entscheidende Rolle.

Die rheumatoide Arthritis ist eine Autoimmunkrankheit, für die die Hyperplasie* der Synovialmembran (Gelenkschleimhaut) und eine progressive Gelenkzerstörung kennzeichnend ist.  MMP-1 und MMP-2 werden von Bindegewebszellen (Fibroblasten) in der Synovialmembran gebildet. Entzündungsfördernde Zytokine, speziell IL-1ß (Interleukin-1-Beta) und TNF-a (Tumornekrosefaktor-Alpha), verursachen bei Rheumapatienten durch die erhöhte lokale Produktion und Aktivität von MMPs und Chemokinen eine Schädigung der Gelenke.(13) In einer In-vitro-Studie mit synovialen Fibroblasten* von Rheumapatienten wiesen Wissenschaftler nach, dass Cordycepin, ein wichtiger Inhaltsstoff von Cordyceps sinensis, die von IL-1ß stimulierte Bildung von MMP-1, MMP3 und Chemokinen wirksam und dosisabhängig hemmt.(13)

Leber und Nieren

Cordyceps sinensis stimuliert die Leberfunktion (unter anderem die Detoxifizierung), unterstützt das Abwehrsystem bei der Bekämpfung viraler Leberinfektionen und hemmt die degenerativen Veränderungen in der Leber wie Fibrose oder Zirrhose.(1) Der Heilpilz wird in China oft ergänzend bei der Behandlung von Lebererkrankungen wie Hepatitis A, B und C, Leberfibrose und Leberzirrhose eingesetzt.(1,12) In einer klinischen Studie potenzierte ein Gemisch aus Heilpilzen – darunter Cordyceps – die Wirksamkeit des antiviralen Arzneimittels Lamivudin bei der Behandlung von Hepatitis B.(12) In einer anderen Studie besserten sich die Leberwerte bei allen 22 Probanden mit hepatitisbedingter Leberzirrhose, nachdem sie drei Monate täglich 6 bis 9 Gramm Cordyceps eingenommen hatten.(12)

Cordyceps sinensis wird in asiatischen Ländern auch bei Nierenerkrankungen eingesetzt. Der Pilz schützt die Nieren vor Schädigungen durch (arzneimittelinduzierten) oxidativen Stress und Entzündungen und tritt einer Verschlechterung der Nierenfunktion entgegen.(1,2) Die Wirksamkeit von Cordyceps wurde in mehreren Humanstudien an Patienten mit Nierenversagen untersucht. In der längsten Studie (10-12 Monate) nahmen die Probanden täglich 3 bis 5 Gramm Cordyceps ein, was zu einer signifikanten Verbesserung der Nierenfunktion führte.(23)

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Cordyceps wird in der TCM bei verschiedenen Beschwerden und Erkrankungen der Atemwege eingesetzt, so bei Husten, Verschleimung, Kurzatmigkeit, COPD und Asthma.(12) Weitere wissenschaftliche Untersuchungen sind erforderlich, um die Wirksamkeit von Cordyceps bei diesen Indikationen genauer zu ermitteln.

Krebs

Aus In-vitro-Untersuchungen und Tierversuchen gibt es viele experimentelle Nachweise dafür, dass Cordyceps sinensis eine verzögernde Wirkung auf die Entstehung und Progression von Krebs hat.(1,12) Vor allem die in Cordyceps enthaltenen Polysaccharide haben eine stark krebshemmende Aktivität, auch aufgrund der starken Aktivierung des Immunsystems.(1) Sterole und Adenosin* in Cordyceps besitzen ebenfalls Anti-Tumor-Aktivität. Der Heilpilz wird in Ländern wie Japan, Korea und China von Krebspatienten vielfach neben der Chemotherapie oder Bestrahlung eingenommen, um Nebenwirkungen der regulären Behandlung wie z.B. die Immunsuppression zu mindern und die Wirksamkeit der Krebstherapie zu steigern.(12,24)

Es ist noch nicht vollständig geklärt, auf welche Weise Cordyceps das Wachstum von Krebszellen hemmt.(1) Wissenschaftliche Untersuchungen deuten darauf hin, dass mehrere Faktoren eine Rolle spielen:(1,2)

  • Stärkung des Immunsystems und der nicht-spezifischen Immunität,
  • Selektive Hemmung der RNA-Synthese, wodurch die Eiweißsynthese in Krebszellen gestört wird,
  • Hemmung der Angiogenese (Neubildung von kleinen Blutgefäßen im Krebsgewebe),
  • Induktion der Tumorzellen-Apoptose (programmierter Zelltod),
  • Regulierung der gestörten Signaltransduktion in Krebszellen (unter Signaltransduktion versteht man die Kommunikation von Zellen mit ihrer Umgebung über Rezeptoren und Signalmoleküle),
  • Aktivität als Antioxidans und Freie-Radikale-Fänger,
  • Hemmung von Zellmutationen,
  • Unterbindung der Replikation tumorinduzierender Viren,
  • Induktion der Methylierung von Nukleinsäuren.

Cordyceps unterstützt die Genesung nach einer Krebsbehandlung. Chemotherapie und Bestrahlung führen oft zur Leukopenie (Mangel an weißen Blutkörperchen). Wissenschaftler wiesen im Tierversuch nach, dass Cordyceps sinensis für die Wiederaufnahme der Bildung weißer Blutkörperchen nach einer Chemotherapie oder Bestrahlung sorgt, indem es die Knochenmarkfunktion wieder herstellt.(24,25)

Abstoßung nach Transplantation

Die Nahrungsergänzung mit Cordyceps hemmt durch Modulierung des Immunsystems die Abstoßung transplantierter Organe und Gewebe (Herz, Niere, Haut). Dies wurde im Tierexperiment nachgewiesen.(1,26) Die akute Abstoßung von Organ- und Gewebetransplantaten lässt sich gut mit Cyclosporin A unterdrücken. Cyclosporin A hemmt die Aktivität bestimmter Entzündungszellen (CD4+ T-Zellen), die großenteils für die akute Abstoßung verantwortlich sind; andere Entzündungszellen (CD8+ T-Zellen) spielen bei der akuten Abstoßung eine geringere Rolle. Viele Transplantate werden trotz des Einsatzes von Cyclosporin A nach einigen Jahren doch noch abgestoßen, Grund ist die durch CD8+ T-Zellen verursachte Allograft-Vaskulopathie (degenerative Veränderungen der Blutgefäße im Transplantat). Nach 3 Jahren ist in 75% der Fälle eine deutliche Allograft-Vaskulopathie eingetreten, nach 10 Jahren in 90% der Fälle. Cordyceps sinensis ist in vitro imstande, die Aktivität der CD8+ T-Zellen signifikant zu hemmen und in vivo der Allograft-Vaskulopathie entgegenzutreten, wodurch das transplantierte Organ oder Gewebe länger ‚mitmacht‘.(26)

Inhaltsstoffe

Bioaktive Komponenten in Cordyceps sinensis sind unter anderem Cordycepin, Nukleotide (Adenosin, Uridin, Guanosin), Polysaccharide (darunter Cyclofurane, Galaktomannan, Beta-Glucane, Beta-Mannane), Sterole (Ergosterol u.a.), D-Mannitol, Fettsäuren, Aminosäuren (Arginin, Tryptophan, Lysin, Tyrosin) und Mineralstoffe und Spurenelemente wie Zink, Mangan, Magnesium.(1,2,4,8,12) Diese Inhaltsstoffe besitzen vermutlich eine stark synergetische Wirkung, was es schwierig macht, die Heilwirkungen von Cordyceps sinensis einzelnen Inhaltsstoffen zuzuweisen.

Unbedenklichkeit und Dosierung

Cordyceps sinensis ist nicht toxisch und die Anwendung von Cordyceps sinensis ist nicht mit nennenswerten Nebenwirkungen verbunden; in Einzelfällen wird über einen trockenen Mund, Übelkeit oder Durchfall geklagt.(12) Eine leicht blutverdünnende Wirkung, die an sich günstig ist, kann nicht ausgeschlossen werden. Auch müssen Diabetiker daran denken, dass sich der Blutzuckerspiegel verbessert. In Humanstudien werden Dosierungen eingesetzt, die von 2 bis 9 Gramm pro Tag variieren.(12) Es gibt Therapeuten, die Krebspatienten 30 bis 50 Gramm Cordyceps pro Tag verordnen.(12)

Mögliche Anwendungsgebiete von Cordyceps sinensis(1,2,12,17)

  • Verzögerung des Alterungsprozesses
  • Mattigkeit, Mangel an Energie
  • Verbesserung der Ausdauer bei sportlicher Betätigung
  • Stress, Niedergeschlagenheit/Depression
  • Unterstützung der Genesung nach (schwerer) Krankheit
  • Krebs (Prävention, ergänzende Behandlung)
  • Infektionskrankheiten
  • (chronische) Entzündungskrankheiten
  • Allergien
  • Autoimmunkrankheiten
  • metabolisches Syndrom
  • Diabetes mellitus
  • Hypercholesterinämie
  • hoher Blutdruck
  • Gefäßverkalkung
  • Herzkrankheiten, Herzrhythmusstörungen
  • altersbedingte kognitive Verschlechterung
  • verringerte Fruchtbarkeit
  • (alterbedingte) Abnahme der Libido, Impotenz
  • Erkrankungen von Leber, Nieren und Atemwegen
  • Osteoporose

 

Erläuterung der Begriffe

17ß-Östradiol – ein weibliches Sexualhormon (gehört zur Gruppe der Östrogene).

Adenosin – wichtiges – in allen Körperzellen vorhandenes – Molekül, das an den verschiedensten biochemischen Prozessen beteiligt und Bestandteil von RNA und DNA ist.

Adrenerg – (nor)adrenalinbedingt (Reizübertragung zwischen Nervenzellen).

D-Galactose – ein Zucker (Monosaccharid).

Dopaminerg – dopaminbedingt (Reizübertragung zwischen Nervenzellen).

Fibroblasten – Bindegewebszellen.

Hyperplasie – Überentwicklung von Geweben oder Organen durch Zellvermehrungswachstum.

Ischämie-/Reperfusionsschädigung – Schädigung des Gewebes (durch eine Entzündungsreaktion), die eintritt, wenn die Durchblutung des Gewebes nach einer Zeit unzureichender Durchblutung (Ischämie) wieder einsetzt (Reperfusion).

Katabolismus – Abbaustoffwechsel (Stoffe und Strukturen).

Larvizid – larventötend (Insekten).

Monoamine – Verbindungen, die sich von aromatischen Aminosäuren wie Phenylalanin, Tyrosin und Tryptophan ableiten, wobei eine Aminogruppe über eine Kette aus 2 Kohlenstoffatomen an einen aromatischen Ring gebunden ist.

Post-prandial – nach der Mahlzeit.

Literaturhinweise

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